FOTOS UND TEXTE: CARLMAKESMEDIA
Es gibt Menschen, die nicht abwarten, bis etwas möglich gemacht wird, sondern Verantwortung übernehmen und handeln. Menschen, die gestalten, investieren und dranbleiben – auch dann, wenn es unbequem wird. Beim CaféTalk interessieren uns genau diese Persönlichkeiten: jene, die Haltung zeigen, Entscheidungen treffen und ihre Stadt über Jahre hinweg prägen. Willkommen beim siebten CaféTalk – wo alles zur Sprache kommt, wenn man sich mit außergewöhnlichen Menschen auf einen Kaffee trifft und sich offen und ungezwungen austauscht. Der siebte Gast für unsere Talkrunde ist jemand, den gefühlt jeder kennt, den jeder schon einmal gesehen hat, der einem schon öfter mit seinem blauen Fahrrad und seinem Profidress in der Innenstadt entgegengekommen ist. Und man sich fragt: »Wer ist das eigentlich?« »Was macht der überhaupt?« »Wo kommt der her?« Timo Pahnhenrich – ehemaliger Radprofi, Unternehmer und engagierter Schulbegleiter. Eine prägende Figur der regionalen Sportszene, Motor hinter Projekten wie dem Weltfahrertag und jemand, der das Radfahren als Lebenseinstellung versteht. Einer, der nach der Profikarriere nicht stehen geblieben ist, sondern mit »TiMOTION« eigene Wege geht und Verantwortung in der Nachwuchsförderung übernimmt. Ein Gespräch über die extreme Belastung des Radsports, den Mut zur Selbstständigkeit und darüber, wie man konsequent seinen Kurs hält.

TIMO PAHNHENRICH
- EX-PROFI
- MACHER STATT MITLÄUFER
- CHARAKTERSTARK
- NACHWUCHSFÖRDERER AUS ÜBERZEUGUNG
Anna: Ich habe gesehen, du bist direkt mit dem Rad hierhergekommen.
Timo Pahnhenrich: Das ist eigentlich nur mein Tourenrad, nicht mein Rennrad. Es trägt sogar meine eigene Marke: Wenn man oben auf das sogenannte Steigrohr schaut, sieht man den Namen »TiMOTION«. Unten links in der Kettenstrebe steht »Wittich Manufakturen«, eine Bielefelder Firma. Das ist einer meiner Nebenschauplätze als Selbstständiger, wobei daraus noch kein wirkliches Geschäft entstanden ist.
ZUR PERSON: WER IST TIMO PAHNHENRICH?
Anna: Timo, nimm uns mal mit: Wer ist der Timo, der hinter dem Rennrad steckt, den man hier überall in Gütersloh sieht? Wer bist du heute – und welche Rolle spielt das Radfahren aktuell in deinem Leben?
Timo Pahnhenrich: Ich bin 1,82 m groß, sportlich und habe noch immer meine restblonden Haare. Zu meiner Person gibt es viel zu erzählen: Ich bin 30 Jahre lang aktiv Rad gefahren, davon fünf Jahre lang hauptberuflich als Profi. Heute bin ich selbstständig, ungebunden und blicke auf eine bewegte Zeit zurück.
Anna: Wenn du jemandem, der dich noch nicht kennt, deinen Alltag beschreiben würdest – wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?
Timo Pahnhenrich: Mein Alltag ist sehr asymmetrisch. Ich arbeite und lebe zwar schon immer nach einem Plan, sprich mit einem Wochenplan, aber jeder Tag läuft anders ab. Mal leite ich eine Fahrradgruppe, mal bin ich als Schulbegleiter an Schulen tätig, zum Beispiel in der seriösen Bildungseinrichtung Incluedo in Detmold, oder ich kümmere mich um meine Selbstständigkeit. Dazu kommen Termine wie dieses Interview oder die Organisation von Projekten.
Anna: Du kommst gebürtig aus Gütersloh und bist hier in der Radsportszene extrem bekannt. Was verbindet dich mit der Region?
Timo Pahnhenrich: Ich lebe in Gütersloh und bin hier tief verwurzelt. Letztes Jahr habe ich zum Beispiel erstmalig alleine den Weltfahrertag am 3. Juni organisiert hier in Gütersloh. Ich habe das Projekt an der Anne-Frank-Schule durchgeführt, wo ich als Schulbegleiter beschäftigt bin. Dafür habe ich verschiedene Unternehmen angeschrieben und sogar der WDR sowie die Lokalzeit Bielefeld waren vor Ort. Es gab ein kurzes Interview in der Aktuellen Stunde. Dieses Event wird dieses Jahr wieder am 3. Juni wiederholt, aber dann nicht alleine, sondern bestenfalls mit dem Radsportverein Gütersloh und den ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V.). Ich arbeite dafür eng mit dem Direktor der Anne-Frank-Schule, Jan Rüter, zusammen. Wir wollen das Ganze wie eine Mini-Messe aufbauen, um den Radsport und alles, was damit zu tun hat, zu bewerben. Letztes Jahr sind wir mit etwa 60 Teilnehmern an der Dalke lang bis zum Stadtpark gefahren für eine kurze Pause für die Kinder. Da kann jeder mitmachen, von Jung bis Alt.


Anna: Viele kennen dich als Sportler, aber was machst du beruflich abseits der Rennstrecke?
Timo Pahnhenrich: Ich habe ursprünglich 15 Jahre lang als Werkzeugmechaniker bei Miele gearbeitet. Im März 2000 lernte ich »Cellagon« kennen – das sind Naturprodukte und Säfte eines deutschen Unternehmens aus Kiel. Ich habe mir dieses Standbein fünf Jahre lang nebenberuflich aufgebaut, bis ich schließlich bei Miele gekündigt habe, um komplett selbstständig zu sein. Durch die Pandemie und einige strategische Entscheidungen der Firma hat es sich so entwickelt, dass ich heute zusätzlich als Schulbegleiter und Fahrrad-AG-Leiter tätig bin. So schlage ich mich durchs Leben und komme gut zurecht.
DIE ANFÄNGE: EINE LEBENSLANGE LEIDENSCHAFT
Anna: Erinnerst du dich noch an dein erstes richtiges Fahrrad? Wann hat die Begeisterung angefangen?
Timo Pahnhenrich: Gefühlt fing es an, kurz bevor ich laufen konnte. Nein, Spaß (lacht). Mit neun Jahren bekam ich mein erstes Rennrad. Ich hatte die Wahl zwischen meinem Kommunionsgeld für ein Paddelboot oder ein Rennrad. Da mein Vater, Bernhard Pahnhenrich, ebenfalls ein bekannter Rennradfahrer war, wollte ich ihm wohl nacheifern und entschied mich für das Rad. Ich habe mir damals oft seine alten Alben aus den 50er und 60er Jahren angeschaut. Der Anfang war allerdings nicht nur einfach: Mit meinem Vater lange Touren zu fahren, war als Zehnjähriger manchmal langweilig, weil man als Kind alle 20 Minuten etwas Neues erleben will und nicht nur auf den Hinterreifen des Vordermanns schauen möchte. Trotzdem bin ich mit zwölf Jahren richtig in den Radsport eingestiegen.
Anna: Wann wurde aus dem Hobby ernsthafter Leistungssport?
Timo Pahnhenrich: Das war um 1977/78, zur Zeit des großen Rennradprofi Dietrich-Thurau-Booms. Als ich in die Juniorenklasse kam, wurde ich in den Landesverbandskader aufgenommen. Da gehörte ich bereits zu den Top 30 Rennfahrern in Deutschland. Damals war der Radsport zwar nicht so massiv wie der Fußball, aber es gab zigtausend Rennfahrer auf Bundesebene. Die Starterfelder waren riesig, oft zwischen 80 und 250 Fahrer. Wenn man da vorne landete, war das eine echte Leistung und war schon ein echt guter Fahrer.
Anna: Du warst als Sprinter bekannt und galtst als taktisch klug. War das Talent oder harte Arbeit?
Timo Pahnhenrich: Wir hatten eine enorme Wettkampfdichte. Wir fuhren jede Woche zwei bis drei Rennen, da bleibt nicht viel Zeit zum Nachdenken, man lernt in der Praxis. Radsport ist von der Belastung her extrem. Es gibt keine Halbzeitpause und keine Auswechslungen. Wenn man stürzt und nichts gebrochen ist, steigt man sofort wieder auf. Man braucht eine enorme Eigenmotivation und die Fähigkeit, unter körperlichem Druck Entscheidungen zu treffen.
Anna: Wir haben dich ja damals, im Jahr 2016, bei deiner Geschäftseröffnung begleitet und bei uns im Magazin darüber berichtet. Wenn du heute auf diesen Tag zurückblickst: Was war das für ein Moment für dich und was ist aus der Idee von damals geworden?
Timo Pahnhenrich: Ja, genau. Das war der Tag meiner Geschäftseröffnung im Radsport Schiffner – nicht so wie Schiffner heute ist, sondern wie es damals war. Ich habe das Foto auch noch im Kopf. Da bin ich mit meiner Dienstleistung angefangen. »Richtig sitzen, locker Radfahren«, so steht es ja auch auf dem Flyer. Damals bin ich erst einmal mit dieser reinen Dienstleistung gestartet, und daraus ist dann später erst das Produkt geworden, also das »TiMOTION«-Rad. Das kam dann aber eigentlich erst vor zwei Jahren.
Ich habe damals mit Unternehmen wie Schiffner, Ampano oder auch Active Sportshop angefangen. Ich hatte mir das eigentlich alles ein bisschen größer vorgestellt, ich bin da nicht so als Einzelgänger geboren. Meine Vorstellung war, dass man sich wenigstens halbjährlich in so einem Verbund trifft – also fünf Unternehmen in einem Boot –, dass man sich über Ideen austauscht, gemeinsam Werbung macht und sich gegenseitig stärkt. Aber irgendwie kam es nie zu einem vernünftigen Termin, es ist ganz dumm eingeschlafen. Ich habe mich dann wieder mehr um »Cellagon« gekümmert, weil das nach wie vor mein Haupteinkommen ist. Aber ich hatte damals richtig investiert für »TiMOTION« und diese Dienstleistung, auch um in einem vernünftigen Magazin zu sehen zu sein, weil das Projekt ja schon einen super Ruf hatte.


Anna: Wie ist denn dein Draht heute zu den Weggefährten von damals, zum Beispiel zum Radsporthaus Schiffner?
Timo Pahnhenrich: Wir haben ein gutes Verhältnis. Das ist eigentlich nur etwas eingeschlafen, es hat sich verlaufen. Wir waren damals Arbeitskollegen bei Miele. Er ist ein lieber Kerl, ich mag ihn. Er ist vielleicht manchmal ein bisschen grob in seiner Art und poltert mal, aber ein Herzensguter Mensch
KARRIERE-HIGHLIGHTS UND DIE HÄRTE DES SPORTS
Anna: Kannst du dich noch an einen deiner ganz jungen Erfolge erinnern, bei dem du dachtest: »Wahnsinn, dieses Gefühl vergesse ich niemals«?
Timo Pahnhenrich: Ja, das war, als ich 18 Jahre alt war. Ich habe eigentlich erst im dritten Jahr, in meiner vierten Saison, mein erstes richtiges Rennen gewonnen. Das war ein Wertungsrennen des Landesverbandskaders Nordrhein-Westfalen in Geseke. Dort habe ich vor dem damals eigentlich besten Rennfahrer, Karl-Heinz Habetz, in Deutschland gewonnen. Seine Schwester Beate hatte1978 sogar die Weltmeisterschaft im Straßenrennen gewonnen. Das gab damals einen Riesenartikel – Die Glocke, NW und wie die Zeitungen alle hießen, haben mir eine ganze Seite gewidmet. Der Nachwuchs meines Vaters – das war toll.
Anna: In deiner Amateurzeit warst du als A-Fahrer direkt unter den Profis angesiedelt. Wie blickst du auf diese Zeit zurück?
Timo Pahnhenrich: Ich gehörte zu den Top 20 in Deutschland. Zieht man die Profis ab, war ich in diesem Jahr sogar unter den Top 10. Es war eine Achterbahnfahrt und schmerzhaft mit 50 bis 80 Rennen pro Jahr. Die Saison ist kurz, von März bis Oktober, was eine extreme Dichte an Wettkämpfen bedeutet. Wir hatten 4 bis 5 Rennen die Woche. Ich vergleiche das oft mit Fußballern: Die spielen meist ein Spiel pro Woche und brauchen lange zur Regeneration. Die Anforderungen im Radsport sind weitaus extremer, allein durch die stundenlangen permanente Belastungen ohne Pause.
Anna: Dein Sieg bei »Rund um den Elm« wird oft als dein größtes Highlight genannt, da du dort spätere Profis wie Marcel Wüst oder Andreas Kappes geschlagen hast. Siehst du das auch so?
Timo Pahnhenrich: Es war definitiv eines meiner Highlights, aber es gab Erfolge, die qualitativ vielleicht sogar höher einzustufen sind. Zum Beispiel die Nordrhein-Westfalen Rundfahrt 1988. Das ist eine Etappenfahrt über 5-7 Tage. Dort wurde ich zweiter oder dritter in der Gesamtwertung und bester Deutscher. In diesem Jahr fuhr auch Bernd Gröne mit, der kurz darauf bei Olympia in Seoul die Silbermedaille gewann und Ihn habe ich in der Etappenfahrt geschlagen. Das Feld war international stark besetzt mit Fahrern aus Kanada, Polen, Belgien, Italien und vielen weiteren. »Rund um den Elm« ist zwar als ältester deutscher Klassiker prestigeträchtig, weil das Rennen sehr lang und bergig ist, aber die NRW-Rundfahrt war von der Wertigkeit her noch einmal eine andere Nummer.
Des weiteren, mein letztes Jahr, wo ich noch Rennen gefahren bin, gewann ich 2016 die deutsche Meisterschaft in Görlitz und da bin ich deutscher Vizemeister geworden, also das ist dann nochmal Höher gesehen, allerdings bei den älteren Rennradfahrern.
Anna: Du hast damals extrem viel Zeit investiert. Würdest du es immer wieder so machen? Denn das Privatleben wurde ja wahrscheinlich schon ein wenig vernachlässigt, oder?
Timo Pahnhenrich: Es ist in der Tat sehr schwer, das mit einer Partnerin unter einen Hut zu bekommen. Auch wenn andere Profis es schaffen, Kinder zu kriegen und eine Familie zu führen – der Sport ist extrem. Mein großes Vorbild ist Eddy Merckx, der erfolgreichste Rennfahrer aller Zeiten. Der hatte eine noch höhere Wettkampfdichte von 150 bis 180 Rennen im Jahr. Das muss man sich mal vorstellen: Das ist fast wie eine 220 Arbeitstage im Jahr eines Angestellten, wenn man die Anund Abreisen dazurechnet. Da ist man eigentlich nur unterwegs.


Anna: Du hast deine Karriere öfter für beendet erklärt und bist doch immer wieder zurückgekehrt. Warum?
Timo Pahnhenrich: Ich habe ja oft gesagt oder es zumindest versucht, den Sport an den Nagel zu hängen, bin aber immer wieder zurückgekommen. Zweimal oder dreimal, glaube ich. Ich bin von 1978 bis 2008 durchgehend Rennen gefahren. Es gab Unterbrechungen, zum Beispiel Anfang der 90er, aber ich bin eigentlich immer weitergefahren. Selbst in den Jahren ohne Lizenzrennen hatte ich ein Trainingspensum von bis zu 30.000 Kilometern im Jahr. Das sind 1.500 Stunden reine Netto-Trainingszeit.
Anna: Du sprichst heute noch von Trainingszeit, obwohl du keine Rennen mehr fährst. Steckt in dir dann immer noch der Wettkampfmodus oder ist es für dich mehr zum Hobby geworden?
Timo Pahnhenrich: Vielleicht liegt es an einem gewissen Vorbildcharakter. In der Schule geben mir die Kinder viel Bestätigung. Wenn sie sagen, dass sie sich sicher fühlen, wenn ich auf dem Schulhof stehe, gibt mir das Aufwind. Ich achte sehr auf meine Gesundheit, rauche nicht und ernähre mich bewusst, auch wenn ich abends gerne mal ein Glas Wein genieße. Und ich fahr Fahrrad aus dem Grunde, weil es für mich, wie für andere das Einsteigen ins Auto, selbstverständlich ist aufs Fahrrad zu steigen. Einfach aus Leidenschaft, Gewohnheit und ein bisschen Zwang könnte auch mitreinspielen (lacht).
ENGAGEMENT FÜR DIE JUGEND UND AUSBLICK
Anna: Du gibst dein Wissen heute in Fahrrad-AGs an Schulen weiter. Wie sieht deine Arbeit mit den Kindern aus?
Timo Pahnhenrich: Ich mache das schon seit etwa zehn Jahren an verschiedenen Standorten, aktuell in Gütersloh an der Anne-Frank-Schule. Ich erkläre primär den Schülern der 5. bis 8. Klasse bei schlechtem Wetter die Technik, wie eine Schaltung funktioniert oder wie man einen Reifen wechselt und bei gutem Wetter geht es natürlich raus. Ein großes Thema ist die Sicherheit. Viele Jugendliche finden Helme ab einem gewissen Alter uncool und setzen sie ab, sobald sie außer Sichtweite der Eltern sind. Das ist ein Kampf gegen Windmühlen, aber als Schule müssen wir auf die Helmpflicht bestehen. Ich möchte den Radsport bewerben, weil viele Jungs heute nur noch Fußball im Kopf haben.
Anna: Wie siehst du die Entwicklung des Radsports im Vergleich zu früher?
Timo Pahnhenrich: Der Breitensport wächst, es werden immer mehr Rennräder verkauft. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Rennradfahrern und Radrennfahrern. Heute wollen viele Sport treiben, aber sich nicht mehr dem direkten Wettkampf stellen. Keiner möchte gerne der Verlierer sein. Zu meiner Zeit war es Standard: Wer ein Rennrad hatte, fuhr auch Rennen. Dieser Trend hat sich massiv gewandelt.


Anna: Und wie steht es um dein Projekt »TiMOTION«?
Timo Pahnhenrich: Die Idee hinter »TiMOTION« war ursprünglich die Vermarktung eigener Fahrräder. Es ist ein Wortspiel aus »Team in Motion« und unser Ziel ist es, andere im Kreis Gütersloh mit Freude für ein richtiges und gesundes Radfahren in mehreren Leistungsklassen zu begeistern. Momentan ist der Markt allerdings extrem gesättigt. Während der Pandemie wurden Elektrofahrräder in Massen gekauft, was zu einer Überproduktion und vollen Lagern geführt hat. Viele Firmen haben derzeit Probleme oder sind sogar pleite. Es ist ein schwieriger Zeitpunkt, um mit einer neuen Marke groß durchzustarten. Ich habe einige Musterräder, aber im Moment konzentriere ich mich primär heute auf »Cellagon« und meine Arbeit an der Schule. Die Verbindung zu Partnern wie Wittich oder anderen Sportshops besteht aber weiterhin. Ich fühle mich fit wie ein Mitte-40-Jähriger und habe noch viel Energie für alles, was kommt.
Anna: Wird es denn in Zukunft von dir oder mit dir noch einmal richtige Rennwettbewerbe geben?
Timo Pahnhenrich: Das habe ich bisher noch unterschlagen: Ich habe ab und zu – ich will nicht sagen, ich leide darunter – aber ich habe ab und zu Rhythmusstörungen. Die habe ich seit dem 28. Oktober 2018, seitdem ich in mein neues Haus gezogen bin. Die Schulmedizin empfiehlt da eine sogenannte Ablation, also eine Verödung der Herzgefäße. Wenn das erfolgreich ist, wäre das Problem wohl behoben. Aber ich kann und will diesen Aufwand einfach nicht mehr betreiben.
Warum? Ich bin ein »alter Sack« und irgendwann ist diese Zeit auch mal vorbei. Irgendwann darf ein Sportler auch mal Trainer werden oder anderweitig unternehmerisch tätig sein. Ich möchte den Sport zwar weitermachen und vor allem Schüler oder Jugendliche zum Radsport bringen, aber eine Wettkampfvorbereitung wäre viel zu aufwendig und auch zu riskant. Selbst wenn ich dieses Problem nicht mehr hätte, würde ich es wohl nicht mehr machen wollen.
Anna: Das heißt, du fährst jetzt nur noch für dich persönlich als Hobby?
Timo Pahnhenrich: Ich fahre weiterhin, aber ich habe zum Beispiel kein Auto für den innerstädtischen Bereich. Ich fahre zwölf Monate im Jahr mit dem Rad, auch als es im Dezember oder Januar so glatt war. Das mache ich konsequent.
Anna: Was würdest du den Leuten sagen, die es gerade hobbymäßig machen? Sollten sie weitermachen und Wettkämpfe wagen?
Timo Pahnhenrich: Es wäre einfach schön, wenn wieder mehr junge Menschen zum Radsport kommen würden. Wenn ich dazu beitragen kann, das Ganze ein bisschen eleganter zu gestalten und den Leuten dabei zu helfen – ja, das kann ich und das mache ich sehr gerne.

WELTFAHRRADTAG 2025
AN DER ANNE-FRANKSCHULE-GÜTERSLOH
In diesem Jahr am 03.06.2026 findet der
Weltfahrradtag erneut an der Anne-Frank-Schule statt.
https://www1.wdr.de/lokalzeit/fernsehen/ostwestfalen-lippe/weltfahrradtag-an-der-anne-frank-schule-guetersloh–100.html




