Wir sind CarlMakesMedia
a
  • 01.07.2026
  • Ausgabe 124
  • RegioCarl

CACTUALDEA PARK – EUROPAS GRÖßTER KAKTEENPARK

Daniela Toman Redakteurbild

Daniela Toman

FOTOS UND TEXT: DANIELA TOMAN

Für das Magazin Carl ist Daniela Toman immer wieder auf inspirierenden Reisen unterwegs, um besondere Orte, Kulturen und Stimmungen einzufangen. Erst kürzlich berichtete sie aus Ägypten, wo sie unter anderem im berühmten Tutanchamun-Museum auf Entdeckungsreise ging. Gärten faszinieren Daniela Toman dabei besonders, denn sie spiegeln die Kultur, Natur und Atmosphäre eines Landes auf einzigartige Weise wider. Auf ihren Reisen entstehen immer wieder neue Eindrücke und Perspektiven, die ihre Arbeit prägen und die sie gerne mit den Leserinnen und Lesern des Magazins Carl teilt.

Der Cactualdea Park liegt in La Aldea de San Nicolás im Westen von Gran Canaria und gilt als größter Kakteenpark Europas. Auf 15.000 Quadratmetern wachsen über 1.000 verschiedene Kakteenarten und exotische Pflanzen. Der größte Kaktus ist sechs Meter hoch und mit Eisenschellen vor dem Abbrechen durch Windböen gesichert. Es handelt sich um einen Saguaro-Kaktus, auch als Kandelaberkaktus bekannt. Die ikonische Pflanze aus der Sonora-Wüste, bekannt aus Westernfilmen und dem Wappen Arizonas, zeichnet sich durch ihre beeindruckenden kandelaberartigen Verzweigungen aus und kann bis zu 15 Meter hoch werden. 2017 wurde er zum »Kaktus des Jahres« gekürt. Gegründet wurde die Anlage 1995 von der Familie Beisel, die auch Eigentümer des Kakteenlandes Steinfeld in der Pfalz ist, einer Pflanzen- und Schauanlage mit Kakteen und Sukkulenten.

Kakteen zählen zu den Sukkulenten, also wasserspeichernden Pflanzen. Ihre Haut ist dick und wachsartig, damit das Wasser nicht verdunstet. Gespeichert wird es in Blättern, Wurzeln oder im Stamm. Weltweit gibt es rund 2.000 Kakteenarten, mit unzähligen Variationen, von klein bis große, von hell bis dunkel, von beige bis grün. Ihre Formen, Farben der Dornen und Blüten sprengen jede Vorstellungskraft. Im Park stehen die Kakteen mal dicht gedrängt, mal weiter auseinander, verteilt wie in einer klassischen Staudenpflanzung mit Solitär- und Gruppenpflanzen. Die Dornen sind kein Zufall. Im Laufe der Evolution haben sich Blätter zu Dornen umgebildet, um die Oberfläche zu verringern und weniger Wasser zu verlieren. Gleichzeitig schützen sie vor Fressfeinden. Die Comedian Harmonists haben dieser Pflanze übrigens ein Denkmal gesetzt, mit ihrem Klassiker »Mein kleiner grüner Kaktus«.

Cactualdea bietet aber mehr als nur stachelige Pflanzen, die von den Kanarischen Inseln kommen, aber auch von zum Teil exotischen Flecken der Erde hierhergebracht wurden, zum Beispiel aus Madagaskar, Mittel- und Südamerika. Umgeben sind sie von Kanarischen Palmen, Aloe-Pflanzen, Agaven, Drachenbäumen und Kanaren-Wolfsmilch. Ein breiter Steinweg führt durch den hügeligen Park, den man bequem in einer Stunde erkunden kann. Immer wieder ergeben sich neue Perspektiven. Die kanarische Berglandschaft umrahmt den Park auf allen Seiten. Bei meinem Besuch herrschte gerade Calima. Starke Ostwinde transportieren dabei feinen Wüstensand aus der Sahara über den Atlantik zu den Kanaren. Die Luft wird diesig, die Sicht eingeschränkt. Die Einheimischen nennen das Phänomen bruma seca, also trockener Nebel.

Neben den Kakteen gibt es einen kleinen Zoo mit Pfauen, Enten, Hühnern, Schildkröten und Eseln, die zum Teil frei herumlaufen. In einem Amphitheater finden regelmäßig Veranstaltungen statt, darunter Wettkämpfe im kanarischen Ringkampf. Außerdem gibt es einen alten Brunnen, einen Handwerksbasar, einen Weinkeller und ein Restaurant mit kanarischer Küche. Ein Nachbau einer Guanche-Höhle gibt Einblick in die Welt der Altkanarier, bei Hitze ein angenehm kühler Ort. Ich bin durch Zufall auf den Cactualdea Park gestoßen, wobei es für mich keine Zufälle gibt, und war begeistert. Die Anlage bietet für jeden etwas, der Weg lohnt sich.