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  • 01.09.2026
  • Ausgabe 126
  • RegioCarl

GÜHTS MARIECHEN

Matthias Kirchhoff Redakteurbild

Matthias Kirchhoff

Content-Redakteur

FOTOS: GÜTERSLOH MARKETING UND HISTORISCHE FOTOS STADTARCHIV GÜTERSLOH TEXT: CARL MAGAZIN

Die Marktfrau, die bis heute durch Gütersloh geht Sie war resolut, geschäftstüchtig und schlagfertig. Sie verkaufte Gemüse auf dem Gütersloher Markt, zog sieben Kinder groß und wusste offenbar ziemlich genau, was sie wollte. Güths Mariechen war eine Frau ihrer Zeit – und ist bis heute eine der bekanntesten Figuren der Gütersloher Stadtgeschichte.

Geboren wurde Güths Mariechen 1874, gestorben ist sie 1952. Fast acht Jahrzehnte Gütersloh liegen dazwischen: zwei Weltkriege, gewaltige gesellschaftliche Veränderungen und der Wandel vom kleinen Dorf zur modernen Stadt. Vieles davon hat sie selbst erlebt.

Ihr Leben war dabei alles andere als bequem. Sie arbeitete hart, bewirtschaftete selbst gepachtetes Land in der Ackerstraße und auf dem heutigen Marktplatz, kaufte Gemüse bei den hiesigen Bauern dazu, baute ein eigenes Haus in der grünen Straße und verdiente ihr Geld mit dem Verkauf von Gemüse. Auf dem Markt war sie bekannt – und offenbar nicht unbedingt dafür, ihren Kunden jeden Wunsch von den Lippen abzulesen, sondern eher mit einem charmant witzigen Spruch zu fragen, was sie wollen.

Wer ihr Gemüse einfach anfassen wollte, musste mit einer deutlichen Ansage rechnen. Und wenn es um ihre Tomaten ging, hatte sie ihren ganz eigenen Humor: »Wenn ich so schön wäre wie meine Tomaten, ließ ich mich nur fotografieren.«

Doch hinter der resoluten Fassade steckte offenbar auch ein großes Herz. Wenn sie bemerkte, dass eine Familie wenig Geld hatte, konnte sie beim Bezahlen durchaus einmal großzügiger rechnen. Eine Marktfrau mit Geschäftssinn – aber eben auch mit sozialem Gespür.

Heute ist Güths Mariechen wieder unterwegs. Dafür sorgt Brunhilde Kohls. Seit vielen Jahren schlüpft sie in die Rolle der legendären Marktfrau und nimmt Besucher mit auf einen ganz besonderen Stadtrundgang durch Gütersloh. Dabei geht es um Güths Mariechen – aber längst nicht nur um sie. Es geht um das alte Gütersloh. Um Häuser, Straßen, Märkte und Menschen. Um Geschichten, die in keinem Geschichtsbuch stehen. Und um die kleinen Details, an denen man normalerweise achtlos vorbeigeht.

Brunhilde erzählt Geschichte nicht aus sicherer Entfernung. Sie lässt sie mitten in der Stadt wieder lebendig werden. Plötzlich steht da nicht mehr nur eine alte Fotografie. Da ist eine Frau mit einer Stimme, einer Haltung und einem ziemlich eigenen Kopf.

Und vielleicht ist genau das das Besondere an Güths Mariechen: Sie ist vor mehr als 70 Jahren gestorben – und trotzdem wird Gütersloh an ihre Schlagfertigenart erinnert.

Zwei Frauen, mehr als ein Jahrhundert voneinander entfernt. Die eine hat auf dem Gütersloher Markt ihr Gemüse verkauft. Die andere erzählt heute ihre Geschichte. Aber sie würden sich garantiert beide mögen.

Brunhilde Kohls gibt Güths Mariechen eine neue Stimme. Und damit auch einem Stück Gütersloh seine Geschichte zurück. Denn Geschichte muss nicht immer im Museum stehen. Manchmal zieht sie einfach ein Kleid an und geht wieder über den Marktplatz.

Wenn Sie mit Frau Kohls mal
Gütersloh entdecken wollen:
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