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  • 01.09.2026
  • Ausgabe 126
  • RegioCarl

GARTEN MAX LIEBERMANN

Daniela Toman Redakteurbild

Daniela Toman

Ein Sommerhaus am Wannsee, wer möchte das nicht besitzen? Max Liebermann, eine der bedeutendsten Figuren der europäischen Kunstgeschichte, ließ sich 1909 sein »Schloss am See« im Süden Berlins bauen. Hier fand er fernab vom hektischen Betrieb seines Hauptwohnsitzes am Brandenburger Tor die nötige Ruhe für seine Gemäldeideen. Mehr als 200 Kunstwerke entstanden in dem unter anderem nach seinen Ideen gestalteten Garten. Der Garten von Liebermann ist einer der wichtigsten Reformgärten in Deutschland. 

Dieser Gartenstil entstand um 1900 als Gegenentwurf zum strengen Landschaftsgarten oder überladenem Historismus. Er verbindet klare, geometrische Raumstrukturen mit praktischem Nutzen. Liebermann hat gemeinsam mit dem Gartenreformer Alfred Lichtwark bis ins Detail ein Gesamtkunstwerk konzipiert. Der Garten ist in verschiedene Räume aufgeteilt. Entgegen den damaligen Konventionen legte Liebermann den Nutzgarten direkt an den Eingangsbereich der Villa, kombiniert mit einem Bauerngarten mit üppig blühenden Stauden. Den Abschluss zum Wohngebäude bildet eine Lindenreihe aus acht geschnittenen Hochstämmen.

Auf der Rückseite des Gebäudes schließt sich an die großzügige Terrasse ein Blumenparterre an. Über ein paar Stufen gelangt man in den unteren Gartenbereich. Dieser zieht sich bis an den Wannsee hinab. Die präzise Aufteilung mit dem Heckengarten, der als »grüne Kammern« fungiert, mit der direkten Blickachse über die Rasenfläche zum Großen Wannsee und dem angegliederten Birkenpfad ist der Garten originalgetreu rekonstruiert. Der Heckengarten besteht aus drei separaten, geometrischen Räumen, die durch hohe Hecken aus Hainbuchen voneinander abgetrennt sind. Ein gerader Verbindungsweg führt durch alle drei Kammern vom Haus bis zum Ufer. Von einer weißen Gartenbank am Anfang des Weges ergibt sich eine perfekt inszenierte Sichtachse. Als Erstes betritt man das Lindenkarree (Quadrat). Zwölf im Quadrat gepflanzte Linden mit exakt geschnittenen Kronen formen hier ein schattiges, grünes Dach über einem quadratischen Platz. Daran schließt sich der ovale Garten (Kreis) an. Die mittlere Kammer zeichnet sich durch ein großes Wegeoval mit Rasenfläche und einem zentralen, runden Blumenbeet aus. Kugelbäume, Irisrabatten und Schmucklilien in Kübeln setzen hier feine Akzente. Liebermann ließ die Bepflanzung dieses Raumes zu familiären Ehrentagen wie Geburtstagen oft besonders prachtvoll umgestalten.

Der Rosengarten (Kreuz) besitzt eine kreuzförmige Wegeführung, die an klassische Bauerngärten erinnert. Im Zentrum befindet sich eine von Rosen überwachsene, achteckige Laube mit einer Sonnenuhr in der Mitte. Folgt man dem Weg weiter, kommt man zu einem kleinen Seepavillon, der den baulichen Abschluss zum Wannsee hin bildet. Gleich nebenan erreicht man einen Steg, der in den See hineinführt. Auf der dem Heckengarten gegenüber liegenden Seite wandelt man durch einen Birkenpfad, auch bekannt als Birkenallee. Dieses faszinierende gestalterische Element bricht bewusst mit den sonst so strengen, geometrischen Regeln des Reformgartens und sorgt für eine spielerische Asymmetrie. Der Garten von Max Liebermann sollte unbedingt bei der nächsten Reise nach Berlin mit auf die Liste der lohnenswerten Orte.