Text: Regina Meier zu Verl und Fotos: Uwe Manter
2.200 Kilometer, eine Moto Guzzi und ein Ziel am Comer See: Uwe Manter aus Gütersloh machte sich Anfang September auf den Weg nach Mandello del Lario – dorthin, wo die legendären Motorräder seit mehr als einem Jahrhundert zu Hause sind.
Alles beginnt an einem Mittwochmorgen in Gütersloh. Hülsbrockstraße, halb zehn. Die Moto Guzzi V 85 TT ist vollgetankt, Öl und Reifen sind gecheckt, das Gepäck sitzt fest. Vor Uwe Manter liegen rund 2.200 Kilometer, Berge, Pässe, jede Menge Kurven – und ziemlich sicher das eine oder andere italienische Caffè.
Das Ziel: Mandello del Lario am Comer See. Dort feiert Moto Guzzi sein 105-jähriges Firmenjubiläum und die Eröffnung des neuen Werkes. Für Motorradfans der italienischen Marke gibt es vermutlich schlechtere Gründe, sich in den Sattel zu schwingen. Doch von Gütersloh bis Italien ist es ein Stück.
Zunächst geht es über Landstraßen nach Paderborn, weiter über Korbach und den Edersee, vorbei an Marburg und Gießen und schließlich rund um Frankfurt. Pfalz und Schwarzwald folgen, bevor in der Nähe von Tübingen die erste Etappe endet. Unterkunft gibt es bei der Verwandtschaft – von Uwe charmant als »Cousinentochternichtengedöns« zusammengefasst. Dazu Steak, ein Bier oder zwei und am nächsten Morgen ein ordentliches Frühstück. Motorradfahrer wissen schließlich, was sie brauchen.


Weiter geht es Richtung Bodensee. In Friedrichshafen stößt der Rest der Truppe dazu, einige Clubmitglieder sind mit Auto und Anhänger angereist. Motorräder runter – und ab in die Berge.
Über Österreich und die Schweiz führt die Strecke nach Chur und schließlich auf den Splügenpass. Anspruchsvoll? Durchaus. Aber fahrbar. Oben verläuft die Grenze zwischen der Schweiz und Italien – und spätestens hier dürfte sich das Ziel schon ziemlich nah angefühlt haben. Am Abend erreicht die Gruppe Bellano am Comer See. Müde, hungrig und vermutlich mit reichlich Kurven in den Knochen.
WO DIE GUZZI ZU HAUSE IST
Am nächsten Morgen dann: Mandello del Lario. Und Uwe ist dort keineswegs allein. Guzzisti aus aller Herren Länder sind zum Geburtsort ihrer Motorräder gekommen. Vor dem berühmten roten Werkstor heißt es erst einmal: Schlange stehen. Dahinter wartet allerdings das volle Programm. Das neu gestaltete Werk mit Museum, Shop und Caffè beeindruckt ebenso wie die Einblicke in die Produktionshalle. Fast den ganzen Tag verbringt die Gruppe auf dem Gelände, trifft Bekannte und Gleichgesinnte.
Ein Ausflug Richtung Varese führt am Freitag zum MV-Agusta-Museum – zumindest beinahe. Das hat ausgerechnet an diesem Tag geschlossen. Macht nichts. Schließlich ist bei einer Motorradreise manchmal auch der Weg das Ziel. Der Samstag gehört deshalb dem gepflegten Nichtstun. Erst am Abend geht es mit der Bahn wieder nach Mandello: essen, Livemusik hören, feiern. Und weil noch nicht alles gesehen ist, folgt am Sonntag ein weiterer Besuch. Das Denkmal von Carlo Guzzi, einem der Gründer der legendären Motorradmarke, steht noch auf der Liste – und natürlich noch einmal das Moto-Guzzi-Werk. Dann heißt es Abschied nehmen vom Comer See.


Mit der Fähre geht es über Menaggio Richtung Lugano. Weil eines der Motorräder einen Defekt hat, wählt die Gruppe für die Rückfahrt die Strecke durch den San-Bernardino-Tunnel. Am Bodensee trennen sich schließlich die Wege.
Uwe fährt allein weiter Richtung Ulm – und bekommt Gesellschaft von Petrus. Ein Blick in den Himmel, bedrohliches Dunkelgrau, und schon öffnet jemand da oben sämtliche Schleusen. Die Regenkombi? Keine Chance. Der Regen ist schneller.
Also Zwischenstopp in Günzburg, Hotel – und zum Abschluss des Tages ausgerechnet noch einmal italienisches Essen. Ein kleines bisschen Comer See, bevor es endgültig nach Hause geht.
Am nächsten Morgen nimmt Uwe die letzte Etappe unter die Räder. Und dann taucht sie wieder auf: die Hülsbrockstraße in Gütersloh. Genau dort, wo das Abenteuer begonnen hat. Am 8. September gegen 14 Uhr rollt Uwe Manter wieder zu Hause ein. Hinter ihm liegen rund 2.200 Kilometer auf seiner Moto Guzzi V 85 TT, Baujahr 2021. Oder, wie Uwe sie nennt: »meine Jüngste«. Und die dürfte nach dieser Tour wohl endgültig zur Familie gehören.









