Gütersloh (gpr). Die letzten Mails sind geschrieben, die letzten Termine absolviert, der Schreibtisch ist aufgeräumt: Nach 21 Jahren als Beigeordneter für die Bereiche Kultur und Weiterbildung der Stadt Gütersloh geht Andreas Kimpel Ende Februar in den Ruhestand. Der Rat, Kolleginnen und Kollegen aus der Verwaltung sowie zahlreiche Weggefährten haben den 64-jährigen jetzt verabschiedet und seine Leistungen für die Entwicklung der Kultur in der Stadt gewürdigt.
In Vertretung des erkrankten Bürgermeisters Matthias Trepper hielt der Erste Beigeordnete Henning Matthes die Abschiedsrede und dankte im Namen von Rat und Verwaltung seinem Kollegen. Er beschrieb Andreas Kimpel als „begnadeten Netzwerker.“ „Einer, der Potenziale erkennt und Kontakte nicht wie Visitenkarten sammelt, sondern wie Beziehungen pflegt. Einer, der die richtigen Menschen zusammenbringt – und auch zusammenhält“, hob er Kimpels besondere Fähigkeit „Brücken zu bauen“ hervor.
Kultur habe Andreas Kimpel immer „als tragende Säule einer Stadtgesellschaft verstanden – nicht als ‚nice to have‘, sondern als Teil von Bildung, Teilhabe und Zusammenhalt.“ In seiner Funktion als Beigeordneter habe er der Kultur eine Stimme gegeben und sie in den vergangenen 21 Jahren als Netzwerk weiterentwickelt, „in dem Haupt- und Ehrenamt auf Augenhöhe miteinander arbeiten.“
Kommunikation sei die Basis von Andreas Kimpels Arbeit gewesen, immer mit der erklärten Zielsetzung, gemeinsam Ergebnisse zu erzielen. In diesem Sinne habe er Kulturforen eingerichtet und eine Kulturentwicklungsplanung als Orientierungsrahmen für Entscheidungen etabliert.

Am 6. Februar nahm Andreas Kimpel (links) zum letzten Mal als Beigeordneter für die Bereiche Kultur und Weiterbildung an der Ratssitzung der Stadt Gütersloh teil und wurde vom ersten stellv. Bürgermeister Markus Kottmann mit Blumen verabschiedet. Foto: Stadt Gütersloh
Die Zusammenführung von Theater und Stadthalle zu „Kultur Räumen“ sei nicht nur eine organisatorische Entscheidung gewesen, sondern Kimpel habe der Arbeit dort damit ein Profil gegeben: „Mit klarer Programmidee, mit neuen Formaten und einer Marke, die Strahlkraft hat.“ Die Reihe „Vier Jahreszeiten“ stehe dafür genauso wie zahlreiche Kooperationen mit Förderern aus der Wirtschaft, von Institutionen und einem kulturinteressierten Umfeld.
Henning Matthes ging auch auf die kulturelle Bildungsarbeit ein: „Du hast ausgezeichnete Konzepte auf den Weg gebracht – und dabei immer im Blick behalten: Kultur fängt nicht erst beim Abonnement an, sondern beim ersten Staunen.“ Das Kinderfest „Donnerlütken“, „Kulturhäppchen“, Jugend- und Kinderformate, die Musikschule im Wasserturm, Kooperationen mit Stiftungen, mit der Bürgerstiftung, mit der Kreismusikschule – das alles trage Andreas Kimpels Handschrift.
Auch das Wirken über Landesgrenzen hinaus würdigte der Erste Beigeordnete. Mit dem Städtenetzwerk C-City habe Andreas Kimpel Gütersloh „europäisch gemacht“: Konferenzen, Music Nights, Artists-in-Residence, digitale Ausstellungen, ein Jugendparlament, „Sport bewegt Europa“ – und zuletzt sogar Präsentationen im EU-Kontext seien Ergebnisse dieser „Urban Diplomacy“.
Andreas Kimpel verabschiedete sich bei den Kolleginnen und Kollegen mit dem Blick in die Zukunft: „Veränderungen bringen neue Herausforderungen, aber auch neue Perspektiven. Ich bin überzeugt, dass Sie mit Ihrer Kompetenz und Ihrem Teamgeist die Weiterentwicklung des Geschäftsbereichs erfolgreich gestalten werden.“ Und an die einzelnen Bereiche gerichtet sagte er: „Für die Kultur wünsche ich mir weiterhin Freiräume, lebendige Debatten und hörbare Vielfalt. Und für die Weiterbildung, dass sie Brücken zwischen Generationen und Lebenswelten baut – denn lebenslanges Lernen sowie kulturelle und demokratische Bildung gewinnen weiter an Bedeutung.“
Andreas Kimpel kam am 1. April 2005 als Beigeordneter mit den Zuständigkeiten Kultur, Schule und Weiterbildung, Soziales, Jugend und Sport von Bielefeld nach Gütersloh. Im Rahmen eines Neuzuschnitts der Dezernate übernahm er ab 2008 Stadthalle und Theater, den Fachbereich Kultur mit dem Stadtarchiv und die Zuständigkeit für die Volkshochschulesowie den Fachbereich Sport (bis 2018). Zu Kimpels Verantwortungsbereichen gehörten auch die Stadtbibliothek und die Verwaltungs-Zuständigkeit für das Kultursekretariat NRW, das seinen Sitz in Gütersloh hat und dessen Vorsitzender er von 2018 bis 2022 war. Seit 2019 war Andreas Kimpel zudem stellvertretender Vorsitzender im Kulturausschuss des Städtetages NRW.



