Gütersloh (gpr). Die Entwicklung des ehemaligen Postareals am Hauptbahnhof ist am Donnerstag, 19. Februar, einen Schritt weitergekommen: Eine Empfehlungskommission – bestehend aus externen Fachleuten, Vertretern der Investoren und der Stadtverwaltung – hat die im Rahmen einer Mehrfachbeauftragung erarbeiteten Entwürfe gemeinsame mit Verwaltungsfachleuten sowie politischen Vertreterinnen und Vertretern beraten und sich schließlich mehrheitlich für den städtebaulichen Entwurf vom Gütersloher Planungsbüro Heitmann Architekten entschieden.
Überzeugt hat das Konzept aus verschiedenen Gründen. Zum einen bietet der Entwurf des Gütersloher Büros eine eindeutige Orientierung vom Willy-Brandt-Platz, sodass das Quartier gestalterisch eine unverwechselbare Identität verliehen bekommt, die es im Stadtbild verankert. Außerdem ist im Entwurf gut mitgedacht, wie die künftigen Mieter Hochschule Bielefeld (HSBI) und IMA Innovationsmanufaktur Gütersloh voneinander profitieren können – zum Beispiel durch kurze Wege. Positiv bewertet wurde auch, dass sich das Quartier vom Willy-Brandt-Platz aus offen und einladend in Richtung eines neuen Innenhofs entwickelt. Die Wege durch das Gebiet sind nachvollziehbar geführt, unter anderem in Richtung Friedrich-Ebert-Straße. Und: Am Quartierseingang ist Gastronomie im Erdgeschoss vorgesehen – ein Ort, der nach außen zum Platz hin belebt und gleichzeitig auch nach innen in das Quartier wirkt.

(v.l.) Henning Matthes (Erster Beigeordneter), Inga Linzel (Leiterin Fachbereich Stadtplanung), Christoph Borchard (Borchard Group), Axel Köster (Geschäftsführer Hagedorn Revital GmbH) und Jörg Faltin (Düsseldorfer Büro FALTIN+SATTLER) freuen sich über diesen wichtigen Schritt in der Bebauungsplanung des ehemaligen Postareals. Foto: Stadt Gütersloh
Gleichzeitig formulierte das Gremium konkrete Eckpunkte, an denen es weiterhin zu feilen gilt – auch, weil keines der drei Architekturbüros in allen Punkten vollständig überzeugen konnte. Heitmann Architekten soll diese Hinweise in einer weiteren Bearbeitungsphase aufnehmen und den Entwurf entsprechend schärfen und konkreter ausarbeiten. „Der Entwurf zeigt schon jetzt sehr gut, wie aus der Fläche ein lebendiger Ort werden kann – aber wir wollen an ein paar Stellen noch nachjustieren, damit es am Ende wirklich für Gütersloh passt: gut nutzbar, grün, einladend und mit einem klaren Gesicht zum Willy-Brandt-Platz“, betont Inga Linzel, Leiterin des Fachbereichs Stadtplanung, während der nachfolgenden Bürgerinformation, zu der sich etwa 60 Personen im Schüttflix-Tower eingefunden hatten. Gemeinsam mit den Investoren Hagedorn Revital GmbH und Borchard Group informierte die Stadt über die Entscheidung des Gremiums. Bürgerinnen und Bürger konnten die Konzepte vor Ort einsehen und die beteiligten Planungsbüros sowie Vertreterinnen und Vertreter von Investoren und Verwaltung standen für Rückfragen zur Verfügung.
Zu den Punkten, die in der nächsten Runde besonders wichtig sind, zählt unter anderem ein ebenerdiger Innenhof, der vielfältig genutzt werden kann. Auch die Gebäudehöhen sollen noch passgenauer abgestimmt werden, damit das Quartier stimmig wirkt und sich gut in die Umgebung einfügt. Entlang der Kaiserstraße wünscht sich das Gremium zudem eine kleinteiligere Gliederung der Baukörper, damit die Bebauung dort nicht zu massiv wirkt. Wichtig ist außerdem: Grün soll nicht nur „mitgeplant“, sondern wirklich hochwertig integriert werden – also mit gut nutzbaren und angenehm gestalteten grünen Bereichen. Und schließlich sollen die Gebäude sowohl vom Innenhof als auch von außen gut erreichbar sein, damit das Quartier offen wirkt und sich leicht erschließen lässt.
Der überarbeitete Entwurf wird erneut mit der Stadt Gütersloh sowie den Investoren abgestimmt. Er bildet die Grundlage für das anschließende Bebauungsplanverfahren. Die Entwürfe sind ab sofort bis einschließlich Mittwoch, 4. März, im Foyer der Sparkassen-Hauptstelle, Konrad-Adenauer-Platz 1, während der Öffnungszeiten öffentlich ausgestellt.

Haben den besten Entwurf für das ehemalige Postareal präsentiert: (v.l.) Jens Appel, Jeanette Büscher, Raimund Heitmann und Delia Heitmann. Foto: Stadt Gütersloh
Hintergrund der Mehrfachbeauftragung
Die Stadt Gütersloh setzt bei Projekten mit hoher städtebaulicher, architektonischer oder freiraumplanerischer Bedeutung auf Mehrfachbeauftragungen. Das hat der Ausschuss für Planung, Bauen und Immobilien am 12. Juni 2025 beschlossen. Mehrere Planungsbüros bearbeiten dabei dieselbe Aufgabe – so entsteht eine Bandbreite an Entwürfen, aus der die beste Lösung gewählt werden kann. Die städtebaulichen Rahmenbedingungen für die Entwicklung des ehemaligen Postareals hat der Ausschuss am 30. Oktober 2025 festgelegt und damit den Start des Verfahrens ermöglicht. Die Investoren hatten in Abstimmung mit der Stadt fünf Planungsbüros angefragt, drei haben die Aufgabe angenommen und seit Anfang Dezember vergangenen Jahres ihre Entwürfe erarbeitet.
Das Areal in direkter Nachbarschaft zum Hauptbahnhof gilt als „Visitenkarte“ der Stadt. Nach dem Ende der Nutzung des Areals durch die Deutsche Post lag die Fläche viele Jahre brach. Ziel der Entwicklung ist ein lebendiges, zukunftsfähiges Quartier mit gut gestalteten Freiräumen, überzeugender Architektur und einer Nutzungsmischung aus Bildung, Dienstleistung, Versorgung und Wohnen – sichtbar vom Bahnhofsvorplatz und aus dem umliegenden Straßenraum. Rückenwind gibt es durch zwei zentrale Mieter: Die Hochschule Bielefeld und die IMA Innovationsmanufaktur Gütersloh haben sich für den Standort entschieden. Das Düsseldorfer Büro FALTIN+SATTLER wurde mit der Durchführung des Verfahrens betraut, da es viel Erfahrung in diesem Bereich vorweisen kann.

Etwa 60 Bürgerinnen und Bürger sind bei der Bürgerinformation im Schüttflix-Tower zusammengekommen, um sich die Ergebnisse der Mehrfachbeauftragung für das ehemalige Postareal anzuschauen. Foto: Stadt Gütersloh



