Wir sind CarlMakesMedia
a

Erntedank: Heimische Bauern blicken auf schwierige Ernte

Westermeyer: „Dieses Erntejahr zeigt, ohne Tierhaltung keine nachhaltige Ernährung.“

Gütersloh/wlv (Re) „Die diesjährige Ernte war schon extrem“, resümiert Andreas Westermeyer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Gütersloh, zum bevorstehenden Erntedank. So ein Jahr habe es lange nicht mehr gegeben. Vor allem die schwierigen Erntebedingungen machten den Bauern zu schaffen. Den Klimawandel könne man spüren. Dieser Regensommer zeigte auch, dass gute Ernten nicht selbstverständlich sind.

Bildautor Thomas Kube:
Die Bauern blicken auf ein schwieriges Erntejahr zurück. Vor allem der Regensommer machte ihnen zu schaffen.

Dauerregen ließ keine Erntearbeiten zu

Nachdem die Gerste Anfang bis Mitte Juli noch bei schönem Wetter gedroschen werden konnte, setzte dann Dauerregen ein. Dieser ließ keine Erntearbeiten zu. Weizen, Triticale (Kreuzung aus Roggen und Weizen), Roggen sowie Hafer standen rund vier Wochen reif auf den Feldern. „Mit jedem Regentag, an dem der Mähdrescher nicht fuhr, nahm die Backqualität von Weizen und Roggen ab“, schildert der Vorsitzende. So verwandelte sich Brotgetreide vielerorts zu Futtergetreide. Oftmals konnte das Getreide auch nur noch über die Biogasanlage verwertet werden. Einige Felder konnten sogar überhaupt nicht mehr geerntet werden. Bei Raps und Ackerbohnen gab es ebenfalls Auswuchs und aufgeplatzte Schoten. Die Kartoffeln litten außerdem unter den feucht-warmen Bedingungen. „Es ist enttäuschend“, so Westermeyer, „was das ganze Jahr an Arbeit und Geld gekostet und gut auf dem Halm gestanden hat, konnte dann wegen des vielen Regens zur üblichen Erntezeit nicht gedroschen werden.“

Bildautor Thomas Kube:
Die Bauern blicken auf ein schwieriges Erntejahr zurück. Vor allem der Regensommer machte ihnen zu schaffen.

Regen gut für Wald, Wiesen, Weiden, Mais und Zuckerrüben

Vom Regen profitiert haben dagegen der Wald, die Wiesen und Weiden, der Mais und die Zuckerrüben. „Wiesen und Weiden sowie Mais sind gut gewachsen“, berichtet der Vorsitzende. „Wiesen und Weiden, also das Grünland, brauchen Feuchtigkeit und die hatten wir in diesem Frühjahr und Sommer”. Die Landwirtsfamilien mit Rindern, Pferden und Schafen müssen sich daher im Vergleich zu den Dürrejahren keine Sorgen um knappes Futter machen. Wie bei Grünland und Mais erwarten die Landwirte auch bei den Zuckerrüben eine gute Ernte.

„Unsere Tierhaltung verwertet in diesem Jahr einen großen Teil der Ernte.“

Gerade die schwierige Erntesituation in diesem Sommer verdeutlicht, dass für den Menschen nicht geeignete Ernteprodukte über die Tierhaltung für unsere Ernährung nutzbar werden. Ohne die Tierhaltung sei eine nachhaltige Ernährung nicht möglich. „Unsere Tierhaltung verwertet in diesem Jahr einen großen Teil der Ernte“, erläutert der Vorsitzende. Verbleibt das reife Korn wie in diesem Jahr zu lange bei feuchter Witterung auf dem Halm, keime es. Es setzen Keimungsprozesse ein, die die Backeigenschaften reduzieren. Brot aus diesem Getreide würde nicht mehr richtig aufgehen und wäre unverkäuflich. „Unseren Tieren, egal ob Rinder oder Schweine, dient es nun als Futter und kommt so über den Umweg des Tiermagens als Milch oder Fleisch uns Menschen wieder zu Gute“, betont Westermeyer. Hätten wir unsere Tiere nicht, gäbe es in diesem Jahr keine sinnvolle Verwertung für viele Getreidepartien.

Im Sinne der Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz sinnvoll genutzt

Darüber hinaus: Das Getreide, das wegen des Dauerregens so stark gelitten hat, dass es auch als Tierfutter nicht mehr verwertet werden kann, wird in Biogasanlagen genutzt. Es wird in Strom und Wärme umgewandelt. Westermeyer erklärt die Verwertungsrangfolge: Die Priorität sei zunächst die Verwertung für den Teller, also die menschliche Ernährung, dann für den Trog, also als Tierfutter und, wenn auch das nicht mehr geht, als letztes als nachwachsender Rohstoff. Doch: Jede reduzierte Verwendung sei für die Landwirte mit finanziellen Einbußen versehen. Aber zumindest sei so das Getreide im Sinne der Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz sinnvoll genutzt. Aufgrund des Wetters gab es allerdings auch einige Felder, die gar nicht mehr geerntet werden konnten. „Das sind natürlich erhebliche Verluste“, schildert der Vorsitzende. „Jedem Landwirt tut es in der Seele leid, wenn das Getreide, um das wir uns seit der Aussaat im Herbst letzten Jahres gekümmert haben, komplett verloren ist.“

Bildautor WLV: „Die Natur zeigte uns in diesem Jahr wieder einmal, das Lebensmittel im Überfluss nicht selbstverständlich sind“, sagt Landwirtevorsitzender Andreas Westermeyer. „Trotz aller Witterungsextreme sind wir Gott sei Dank von größeren Extremen und Naturkatastrophen verschont geblieben.“ Er denkt hier beispielsweise an die Waldbrände auf Rhodos, die verheerende Flutkatastrophe in Libyen oder das Erdbeben in Marokko. „Die schlimmen Bilder kommen uns sofort vor Augen. Das sollten wir alle nicht vergessen.”

Agrarpolitik rückwärtsgewandt und realitätsfern

Mehr noch als das Wetter machen den Bauernfamilien die politischen Vorgaben sorgen. Es seien herausfordernde Zeiten, so Westermeyer und fordert: Man müsse den Landwirten die Luft zum Atmen lassen. Sie nicht mit immer mehr Gesetzen, Auflagen und Bürokratie belasten – und das in einem immer schnelleren Tempo – die zugleich mit viel Geld und Investitionen verbunden seien. „Wir brauchen von der Politik ein klares Bekenntnis zur heimischen und regionalen Landwirtschaft“, mahnt der Vorsitzende, „insbesondere für die Tierhalter. Wir brauchen dringend tragfähige Konzepte zur Weiterentwicklung der Tierhaltung und vor allem Perspektiven.“ Denn ohne diese könne keine Bauernfamilie ernsthaft planen. Die Agrarpolitik der Bundesregierung sei insgesamt zu rückwärtsgewandt, Fuße auf Verbotspolitik und Gängelung. Vielfach seien die überbordenden Gesetze, Auflagen und Bürokratie nicht mehr realitätsnah, nicht praxistauglich und teilweise sogar kontraproduktiv beispielsweise für den Naturschutz. So gehe Vieles aufgrund mangelnder Kompetenz der politisch Verantwortlichen am Ziel vorbei.

Westermeyer: „Gott sei Dank von Naturkatastrophen verschont.“

Abschließend erinnert der Vorsitzende zu Erntedank: „Trotz aller Witterungsextreme sind wir Gott sei Dank von größeren Extremen und Naturkatastrophen verschont geblieben.“ Er denkt hier beispielsweise an die Waldbrände auf Rhodos, die verheerende Flutkatastrophe in Libyen oder das Erdbeben in Marokko. „Die schlimmen Bilder kommen uns sofort vor Augen und zeigen, wie sehr wir auf Gottes Gnade angewiesen sind“, sagt Westermeyer. „Das sollten wir alle nicht vergessen.”

Weitere Infos

Mehr News lesen