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Notruf der Gütersloher Tafel

Bürgerstiftung ermöglicht 8 Tonnen Lebensmittel-Sonderlieferung

Gütersloh. „Diese Situation macht einen fertig. Wir waren erstmals fast leer, hatten kaum noch etwas zum Verteilen und dabei stehen immer mehr Menschen Schlange nach Lebensmitteln.“ So verzweifelt kennt man Ruth Prior-Dresemann sonst nicht. Seit 2017 als Geschäftsführerin der Gütersloher Tafel tätig, hat die 56-Jährige mit ihrem Team und den vielen engagierten Helfern schon so manche Krise gemanagt. Jetzt aber wendete sie sich mit einem Notruf an die Bürgerstiftung, die ihr schnell und unbürokratisch eine Sonderlieferung an haltbaren Lebensmitteln im Wert von 15.000 Euro ermöglichte, um eine akute Unterversorgung der Tafel-Kunden aufzufangen.

23 Paletten voller Lebensmittel gegen die akute Not: (v.l.) Fahrer Georg Bauch, Mitarbeiter Peter Ablass und Ruth Prior-Dresemann, Geschäftsführerin der Tafel, freuen sich, dass die Bürgerstiftung Gütersloh diese Sonderlieferung ermöglicht hat.

An zwei Tagen wurden 23 Paletten, prall gepackt mit Nudeln, Reis, Haferflocken, Zucker und Tee vom Großhandel geholt. Insgesamt 8,5 Tonnen. „Das sind die Lebensmittel, die am dringendsten gebraucht und am meisten von unserer Klientel nachgefragt werden“, erklärt Prior-Dresemann. 4600 Personen, davon allein rund 2000 in Gütersloh, werden kreisweit an 55 Verteilstellen von der Tafel versorgt. Das sind gut 1000 mehr als früher. Gleichzeitig ist das Kontigent an gespendeten Lebensmitteln drastisch zurückgegangen, weil Produzenten und Discounter knapper disponieren.  „Haben wir früher drei Tonnen gespendet bekommen, sind es heute meistens nur noch eine, maximal zwei Tonnen“, rechnet Prior-Dresemann vor. Was zudem fehlt ist Obst und Gemüse.

 

Ging die mit kleinen Schönheitsfehlern behaftete Ware sonst an die Tafel, landet sie jetzt verstärkt in den sogenannten Rettertüten, die am Abend zum Niedrigpreis an jedermann und nicht nur an Bedürftige verkauft werden. „Das ist eine gute Idee, um der gedankenlosen Verschwendung von Lebensmitteln entgegenzutreten“, sagt die Tafel-Geschäftsführerin. „Aber uns fehlt sie.“ Die Folge von all dem: Es gibt immer weniger für immer mehr werdende Tafelkunden. Es kommen verstärkt Wartelisten und Rotationsverfahren für deren Versorgung zum Tragen. Und an manchen Stellen können Lebensmitteln nur noch alle 14 Tage ausgegeben werden.

 

„Dass wir in dieser Notlage eingesprungen sind und für eine jahreszeitliche Überbrückung gesorgt haben, versteht sich für die Bürgerstiftung, die die Tafel bei verschiedenen Projekten schon wiederholt gefördert hat, von selbst“, betont die Vorstandsvorsitzende Katrin Meyer. Dass die Stiftung jetzt aber erstmals deren Grundversorgung sichern musste, zeige, dass es struktureller Überlegungen bedarf, um die künftige, längerfristige Versorgung bedürftiger Personen zu gewährleisten.

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