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Starthilfe für ein neues Leben

Bürgerstiftung finanziert Willkommenspakete im Frauenhaus

Wenn sie kommen, dann oft mit nichts außer dem, was sie auf dem Leib tragen. Oder mit nur wenigen, in aller Eile gepackten Habseligkeiten. Frauen, die allein oder mit ihren Kindern vor häuslicher Gewalt ins Gütersloher Frauenhaus flüchten, denken vielleicht noch daran, den Personalausweis und die Krankenkassenkarte mitzunehmen, aber alles andere bleibt notgedrungen zurück. Da ist es gut, wenn das Team sie mit einem Willkommenspaket mit allem Notwendigen begrüßen kann. Bis Ende 2024 fördert die Bürgerstiftung dieses neue Projekt im Frauenhaus mit maximal 10 000 Euro aus dem Wulfhorst Sozialfonds.

Starthilfe für ein neues Leben: Mit den von der Bürgerstiftung finanzierten Willkommenspaketen gewährt das Gütersloher Frauenhaus den Zuflucht suchenden Frauen eine erstversorgende Hilfe zur Selbsthilfe. (V. l.) Nina Spallek, Geschäftsführerin der Bürgerstiftung, sowie die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses Meike Hoffmann, Pia Kugis-Johannknecht und Petra Strauss.

„Wir freuen uns, dass wir den betroffenen Frauen mit dieser Aktion eine Starthilfe in ihr neues Leben geben können und damit gleichzeitig die Arbeit des engagierten Frauenhaus-Teams unterstützen“, erklärt Nina Spallek, Geschäftsführerin der Bürgerstiftung. Die Pakete werden individuell gepackt – von haltbaren Lebensmitteln über Babynahrung bis hin zu Hygieneartikeln. Denn eine Mutter mit Säugling hat andere Bedürfnisse als eine Seniorin. Und die Bandbreite derjenigen, die Aufnahme finden, ist groß – aktuell vom Kleinkind bis zur 79-Jährigen.

„Diese Pakete sind für die Erstversorgung wichtig, weil wir kein kostenloses Hotel sind“, macht Petra Strauss vom Frauenhaus deutlich. Aufgrund der strukturellen Unterfinanzierung der Kriseneinrichtung muss der Großteil der Kosten über einen Tagessatz aufgefangen werden. Lag der 2014 noch bei 13,90 Euro, so ist er mittlerweile auf 49,59 Euro pro Person gestiegen – egal ob für Erwachsene oder Kinder. Und es dauert vier bis sechs Wochen, bis das Jobcenter die entsprechenden Anträge bearbeitet hat und das Geld kommt. Die Zeit dazwischen muss das Frauenhaus aus Spenden überbrücken – falls die Betroffenen nicht genug Geld haben. Für die Einrichtung bleibt das Risiko nicht finanzierter Belegtage.

„Nichtsdestotrotz gilt: Jede Frau, die bei uns Hilfe sucht, bekommt sie auch – so lang wie nötig und so kurz wie möglich“, bringt es Mitarbeiterin Pia Kugis-Johannknecht auf den Punkt. Das fachlich versierte Team begleitet die Betroffenen auf ihrem mitunter langen und beschwerlichen Weg in die Selbstständigkeit, in dem es umfassend und in Kooperation mit diversen Beratungsstellen und dem Gütersloher Jugendamt Hilfe zur Selbsthilfe leistet. Es gilt, den von Gewalt betroffenen Frauen die Angst zu nehmen, ihnen Mut zu machen, ihnen ihre eigene Wertigkeit wieder vor Augen zu führen, um sie aus ihrer Opferrolle herauszuholen, damit sie ihr Leben eigenverantwortlich in den Griff bekommen.

Das Gütersloher Frauenhaus ist derzeit mit acht Frauen und zehn Kindern voll belegt. Es mussten in diesem Jahr auch schon neun Betroffene aus Platzmangel abgelehnt und an andere Frauenhäuser vermittelt werden. „Die optimale Belegungszahl solch einer Kriseneinrichtung liegt bei durchschnittlich 70 Prozent“, erläutert Strauss. „Bei uns sind es 76 Prozent. Der bisherige Höchststand ist 2019 mit insgesamt 95 Frauen und 117 Kindern erreicht worden. Aber auch jetzt haben wir eine Warteliste.“

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