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  • 16.05.2024
  • Ausgabe 99
  • RegioCarl

CELEBRITIES IN GTOWN

Rolf Zacher
CarlMakesMedia Redakteurbild

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FOTO & TEXT: Wolfgang Wotke

War ein deutscher Künstler, Entertainer, Schauspieler, Synchronsprecher und Musiker

Im Parkhotel Gütersloh hat er 2003 seine Biografie »Endstation Freiheit« vorgestellt. Für die Darstellung eines Gauners im gleichnamigen Film bekam Rolf Zacher 1982 den Bundesfilmpreis in Gold. Zacher als Darsteller gebrochener Charaktere und sozialer Randfiguren war ein grandioser Schauspieler, zwar mit Ecken und Kanten, manchmal überdreht, aber immer direkt. Innerhalb weniger Minuten konnte er einen neuen Charakter erschaffen. Das machte er humorvoll vor, meistens beim Frühstück.

Übrigens eine Prozedur, die schon mal zwei Stunden dauern konnte: Das Innere der Brötchen schnitt er heraus, die Brotkanten ab. Es gab nur Marmelade, grünen Tee, und in das warme Glas Mineralwasser treufelte er Salz, »weil das so gesund ist«. Dazu schluckte er Heilerde aus China. Zuletzt lebte er vegan. Rolf Zacher war anders, als ihn seine Fans kannten. Wenn das Rotlicht einer Fernsehkamera aus oder ein Interview beendet war, zog er sich brav zurück. Er war gerne allein. Am liebsten in seinem roten Van auf der Autobahn oder auf einem ruhigen Parkplatz. So wie hinter dem Hotel Klosterpforte in Marienfeld, wo er oft in seinem Wagen übernachtet hat. Dann drehte er sich seine »Kräuterzigarette« – wegen seiner Rückenschmerzen. Für ihn war das ein Ort zum Nachdenken, zum Meditieren. Dort war er glücklich. Alkohol trank er nie.

Wenn man mit ihm sprach, nahm er kein Blatt vor dem Mund, schimpfte über die private Fernsehlandschaft (»Darauf habe ich keinen Bock«) und lobte Regisseur Rainer Werner Fassbinder, mit dem er etliche Male gedreht hatte: »Privat kaputt, aber ein Genie.«

Seine Schauspielerkollegen Harald Juhnke und Günter Pfitzmann nannte er seine engsten Freunde in der Branche. Das gebe es nur selten, meinte Zacher, der keinen Hehl daraus machte, dass er Til Schweiger nicht ausstehen konnte: »Der hat mich mal böse verarscht.« Einer der ganz großen im Film-Business, Rod Steiger, hat über Zacher gesagt: »Für so einen wie ihn würden sie in Amerika einen roten Teppich ausrollen.« Zacher hatte mit Steiger den »Zauberberg« von Thomas Mann gedreht. »Da habe ich ihn kennengelernt und er mich auch. Und dann erzählte er das mal in einer Talkshow.«

Rolf mochte die Stadt Gütersloh irgendwie gerne. Im Klinikum ließ er sich während seiner Besuche vom ehemaligen Chefarzt Prof. Dr. Manfred Varney, den er als seinen persönlichen Medizinmann bezeichnete, wegen eines Rückenleidens behandeln. Als Flüchtlingskind im Zweiten Weltkrieg in Berlin geboren, schlug er sich nach einer Lehre zum Bäcker als Barmixer, Sänger, Musiker und Tänzer durch.

Nach dem Drehschluss von »Lautlose Waffen« 1966 hatte Rolf einen schweren Unfall mit seinem Porsche. Als das Morphium gegen die Schmerzen seiner Rückenverletzung nicht mehr half, probierte er Heroin. Nach vielleicht gefühlten 70 Entziehungskuren gelang es ihm in den 80ern, die Sucht zu überwinden.

Rolf Zacher hatte ein großes Herz, er war gutmütig, bescheiden, aber auch gutgläubig. Das hat ihn manches Mal im Leben zurückgeworfen. 2014 erkrankte Rolf Zacher an Demenz. Zuletzt hatte er das Essen und Trinken vergessen. Er starb am 3. Februar 2018 im Alter von 76 Jahren in einem Altenheim bei Hamburg. Sein Urnengrab befindet sich in einem Begräbniswald an der Eckernförder Bucht.

48 Karriere Jahre

39 gedrehte Filme oder Serien

https://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_Zacher