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  • 01.09.2026
  • Ausgabe 126
  • RegioCarl

DAS WEBERHÄUSCHEN

Ein kleines Haus mit großer Geschichte
Regina Meier zu Verl Redakteurbild

Regina Meier zu Verl

Content-Redakteurin

Wer heute durch die Münsterstraße geht, kann sich kaum noch vorstellen, wie es hier einmal ausgesehen hat. Bis Anfang der 1960er-Jahre prägten Fachwerk- und Schieferhäuser die kleine Straße, die damals noch ausgesprochen idyllisch und dörflich wirkte. Dann kam die Zeit der Modernisierung. Autos brauchten Platz, vieles Alte musste weichen.

Eines aber blieb: das Weberhäuschen. Das kleine Fachwerkhaus und seine Besitzer widersetzten sich den Veränderungen – zum Glück. Denn heute gehört das Weberhäuschen zu den wenigen alten Gebäuden, die in Gütersloh noch erhalten geblieben sind.

Fast vier Jahrhunderte unter einem Dach
Seine Geschichte reicht weit zurück. Bereits 1649, kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg, wurde das Weberhäuschen als Vierständerhaus errichtet. Damit ist es das älteste Gütersloher Ackerbürgerhaus und steht seit 1984 unter Denkmalschutz.

Wer das Haus einst erbauen ließ, ist nicht bekannt. Dafür weiß man, dass im Laufe der Jahrhunderte ganz unterschiedliche Menschen hier lebten und arbeiteten: Pfarrer Schlüter ebenso wie Tischler Ruhenstroth oder Brennmeister Bollweg. Sie alle hinterließen auf ihre Weise ein kleines Stück Geschichte zwischen den alten Balken.

Wie das Weberhäuschen zu seinem Namen kam

1953 kauften der bekannte Maler Woldemar  Winkler und seine Frau Margret das Weberhäuschen. Das Dach war bei einem Bombenangriff im Jahr 1944 schwer beschädigt worden und wurde von ihnen wieder instandgesetzt. Anschließend eröffneten die beiden hier ein Geschäft, das sich im Laufe der Jahre zu einer beliebten Adresse für Kunst- und Kunsthandwerkliebhaber entwickelte.

Und nun kommt endlich das Weben ins Spiel: Margret Winkler fertigte Stoffe und Teppiche – und gab dem Haus damit seinen Namen. Woldemar Winkler betrieb hier seine Grafikwerkstatt, später ergänzte der Handel mit Antiquitäten das Angebot. In den 1990er-Jahren wurde das Geschäft schließlich aufgegeben. Das bedeutete jedoch keineswegs, dass es ruhig wurde im Weberhäuschen. Woldemar und Margret Winkler lag viel daran, das historische Gebäude zu erhalten und Menschen zu finden, die ebenso sorgsam damit umgingen.

Kräuter, Tee – und schließlich Bücher
Von 1993 bis 2008 zog mit „Kräuter Fischer“ ein Kräuter- und Teehandel in die verwinkelten Räume ein. Ein Geschäft, das mit seinem Angebot wunderbar zu dem kleinen alten Häuschen passte.

Nach dessen Aufgabe stand eine gründliche Renovierung des rund 200 Quadratmeter großen Hauses an. Das Fachwerk bekam ein Stück seiner Ursprünglichkeit zurück, 

Balken wurden ausgetauscht und die Giebelfront restauriert. 2016 folgten Dach und vorderer Giebel. Alle Arbeiten erfolgten in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde. Später zog die Buchhandlung Markus in die kleinen, verwinkelten Räume ein – und auch das passte wunderbar. Schließlich hatte nun ausgerechnet ein Haus, das selbst fast vier Jahrhunderte Geschichte zu erzählen hat, jede Menge Geschichten unter seinem Dach.

Inzwischen ist die Buchhandlung ein paar Häuser weitergezogen und das Weberhäuschen steht seit einigen Jahren leer. Geblieben aber ist ein kleines Stück Gütersloher Geschichte – mitten an der Münsterstraße und kaum zu übersehen, wenn man weiß, wie viel es zu erzählen hat.