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  • 25.03.2026
  • Ausgabe 121
  • RegioCarl

GÜTERSLOH POSTKOLONIAL

SPURENSUCHE ZWISCHEN STADTGESCHICHTE UND GEGENWART
Regina Meier zu Verl Redakteurbild

Regina Meier zu Verl

Content-Redakteurin

TEXT: REGINA MEIER ZU VERL | FOTOS: MATTHIAS KIRCHHOFF, STÄDTISCHES GYMNASIUM GÜTERSLOH UND ARCHIV- UND MUSEUMSSTIFTUNG DER VEM - SW4801-50

Was hat Gütersloh mit Kolonialgeschichte zu tun? Mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Der ehemalige Harsewinkeler Stadtarchivar und Historiker Eckhard Möller beschäftigt sich seit vielen Jahren mit diesen oft übersehenen Verbindungen und hat dabei Biografien von Menschen ans Licht gebracht, deren Lebenswege auch durch Gütersloh führten.

Dazu gehört etwa Paul Matjamwo Mavanzilla, der im 19. Jahrhundert hier lebte, ebenso wie Johanna Gertze. Ihre Geschichten zeigen, dass globale Geschichte manchmal ganz konkrete lokale Spuren hinterlässt. Auch wirtschaftliche Verbindungen, etwa durch koloniale Handelsbeziehungen oder einzelne Unternehmungen deutscher Kaufleute, gehören zu diesem bislang wenig beachteten Kapitel der Stadtgeschichte.

Wer sich heute auf Spurensuche begibt, kann diese Themen inzwischen auch digital entdecken: Forschungsprojekte und Onlineplattformen machen die Gütersloher Bezüge sichtbar und ordnen sie in größere historische Zusammenhänge ein. Doch Geschichte bleibt nicht nur Theorie – sie wird auch vor Ort lebendig.

Geschichte neu betrachtet

Wie aktuell das Thema ist, zeigte bereits eine Ausstellung der Städtischen Gymnasiums, die zunächst bei der Langen Nacht der Kunst und später im Stadtmuseum zu sehen war. Die Schüler*innen des von Michael Brunnert geleiteten Projektkurses forschten ein Schuljahr lang mit Unterstützung von Archivarin Julia Kuklik im Stadtarchiv Gütersloh.

Die Schülerinnen und Schüler näherten sich der Kolonialgeschichte auf ungewöhnliche Weise. Historische Bücher, Karten, Anzeigen und Alltagsgegenstände wurden nicht nur gezeigt, sondern kritisch hinterfragt und teilweise künstlerisch neu interpretiert. Dabei ging es auch um die Frage, wie koloniale Denkmuster bis heute nachwirken. Besonders eindrucksvoll war der lokale Bezug: Alte Zeitungsannoncen von Kolonialwarenläden, Bücher aus Gütersloher Verlagen oder historische Unterrichtsmaterialien machten deutlich, dass die großen politischen Entwicklungen auch in einer Stadt wie Gütersloh ihre Spuren hinterlassen haben.

Lernen durch Perspektivwechsel

Statt langer Erklärungstexte setzten die Jugendlichen bewusst auf visuelle Zugänge. Grafische Arbeiten, Installationen und eigene künstlerische Kommentare sollten dazu anregen, genauer hinzusehen und gewohnte Bilder zu hinterfragen.

So wurde die Ausstellung nicht nur zu einer historischen Dokumentation, sondern auch zu einem Denkanstoß: Wie gehen wir heute mit diesem Erbe um? Und was können wir daraus lernen?

Vielleicht ist genau das der wichtigste Impuls solcher Projekte: zu zeigen, dass Geschichte nicht fern und abstrakt ist, sondern mitten in unserer Stadt beginnt – manchmal dort, wo man sie gar nicht vermutet.