Fotos und Text: Daniela Toman
Für das Magazin Carl ist Daniela Toman immer wieder auf inspirierenden Reisen unterwegs, um besondere Orte, Kulturen und Stimmungen einzufangen. Erst kürzlich berichtete sie aus Ägypten, wo sie unter anderem im berühmten Tutanchamun-Museum auf Entdeckungsreise ging. Gärten faszinieren Daniela Toman dabei besonders, denn sie spiegeln die Kultur, Natur und Atmosphäre eines Landes auf einzigartige Weise wider. Auf ihren Reisen entstehen immer wieder neue Eindrücke und Perspektiven, die ihre Arbeit prägen und die sie gerne mit den Leserinnen und Lesern des Magazins Carl teilt.
Der Hortus Botanicus Amsterdam gehört zu den ältesten botanischen Gärten der Welt. Der Garten wurde 1683 als Apothekergarten gegründet und liegt am Rand der Innenstadt von Amsterdam, in der Nähe des Artis-Zoos. Auf rund 1,2 Hektar wachsen über 4.000 Pflanzenarten von allen Kontinenten der Welt. Der Großteil der Sammlungen ist für Besucher öffentlich zugänglich. Das moderne Drei-Klima-Gewächshaus bietet drei verschiedene Klimazonen und einen Baumkronenpfad. Im Schmetterlingshaus fliegen bunte tropische Schmetterlinge. Das älteste Gebäude ist das historische Palmenhaus von 1912, das heute unter Denkmalschutz steht. Zu den besonderen Pflanzen des Gartens zählen ein über 300 Jahre alter Palmfarn und riesige Seerosen der Art Victoria amazonica. Im Palmenhaus ist eine Welwitschie ausgestellt. Sie kommt nur in Namibia und im Norden Südafrikas vor und braucht besondere klimatische Bedingungen, um außerhalb ihrer Heimat zu überleben. In einem Glaskasten werden diese mit Temperaturregler und Einnebelung nachgeahmt. Im Außenbereich sind Blütenpflanzen fächerförmig angeordnet, entsprechend ihrer Verwandtschaft untereinander. Seerosen gehören zu den urtümlichsten Pflanzen. Die Korbblütler sind erst viel später entstanden. Gräser, Lilien und Orchideen ordnen sich evolutionär dazwischen ein. So wird die Entwicklung der Pflanzen sichtbar. Die heutigen Erkenntnisse über die Evolution sind das Ergebnis von 250 Jahren botanischer Forschung.


Das Drei-Klima-Gewächshaus wurde 2025 nach einer umfassenden Sanierung feierlich wiedereröffnet. Es ist damit das erste komplett klimaneutrale öffentliche Gewächshaus der Niederlande. Das charakteristische Metallskelett außen blieb erhalten. Das Dach besteht nun aus hochisolierenden ETFE-Luftkissen, die Fassaden sind doppelt verglast, und die Energieversorgung ist an ein unterirdisches Wärmeaustauschsystem gekoppelt. Im Inneren erleben Besucher die Tropen, die Wüste und das mediterrane Klima der südafrikanischen Kapregion.
Im Palmenhaus stehen Palmen, Palmfarne und subtropische Kübelpflanzen. Die dortige Ausstellung „Überlebende aus der Urzeit“ erzählt die Geschichte der Palmfarne. Diese uralte Pflanzengruppe hat mehrere Massenaussterben überstanden. Für mich sind Palmfarne mit die schönsten Pflanzen, die ich kenne.
Neben den Gebäuden gibt es einen Waldbereich mit Koniferen. Auffällig ist die Wollemie, eine seltene Nadelgehölzart. Sie galt als prähistorisches Fossil, bis 1994 lebende Exemplare in Australien entdeckt wurden. Dazu kommt ein kleiner Bereich für fleischfressende Pflanzen in einem Hochbeet. Ihr Trick: Sie fangen lebende Insekten und verdauen sie. Keine Sorge: Ein Abstecher in den Hortus Botanicus lohnt sich bei jedem Amsterdambesuch und ist völlig ungefährlich.





