FOTOS: STADTARCHIV TEXT: REGINA MEIER ZU VERL
Wer heute an Meiers Mühle vorbeikommt, ahnt kaum, wie viel Geschichte sich hinter den alten Mauern verbirgt. Dabei gehört sie zu den ältesten und bekanntesten Orten Güterslohs – ein Platz, an dem schon seit Jahrhunderten gearbeitet, gelebt und immer wieder neu angefangen wurde. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Mühle mehrfach den Besitzer und trug zeitweise sogar den Namen Thesings Mühle. Geblieben ist jedoch ihre Bedeutung als prägender Ort der Gütersloher Geschichte.
Bereits vor mehr als tausend Jahren soll sich an dieser Stelle ein der große Hof Meier zu Gütersloh mit Mühle befunden haben. Die Bauern der Umgebung ließen hier ihr Korn mahlen, weshalb der Ort bis heute den Namen Meiers Mühle trägt. Später übernahm das Kloster Marienfeld das Gelände und ließ eine Wassermühle errichten. Gemahlen wurden vor allem Roggen, Gerste, Hafer und Buchweizen – Getreide, das auf den sandigen Böden der Region besonders gut gedieh. Sogar eine Bokemühle zur Verarbeitung von Hanf gehörte zeitweise dazu.
Doch Meiers Mühle war weit mehr als nur ein Arbeitsplatz. Kaum zu glauben: Im Mühlenkolk entstand einst eine Flussbadeanstalt und damit so etwas wie Güterslohs erstes Freibad. Unter schattigen Bäumen konnten Besucher in mehreren Wasserbecken baden, während ein Wasserrad für kräftige Wellen sorgte – lange bevor es moderne Erlebnisbäder gab.


Mit der Zeit hielt auch hier die Technik Einzug. Wasserräder wurden durch eine Turbine ersetzt, Mühlsteine verschwanden zugunsten moderner Walzenstühle. Nach einem verheerenden Brand entstand das Gebäude nahezu in seiner alten Form neu, erhielt jedoch ein zusätzliches Stockwerk, um Platz für die neue Technik zu schaffen.
Als in den 1950er-Jahren der Mahlbetrieb endgültig eingestellt wurde, begann für die Mühle ein neues Kapitel. Unterschiedliche Unternehmen nutzten die Räume, unter anderem ein Futtermittelhandel und später ein Betrieb zur Reifenvulkanisierung. Nach einem vorübergehenden Leerstand bezog das bekannte Fotostudio Clemens 1993 einen Teil der Räume. Auch die Konzertagentur unseres früheren Bürgermeisters Nobby Morkes war hier ansässig. Und ab 1999 befand sich die Geschäftsstelle der BfGt im 2. Stock. Das Brautmodengeschäft Herzenskleid ist mittlerweile nach Rheda-Wiedenbrück umgezogen. Und nicht zuletzt ist Meiers Mühle eine Station des sehens- und erlebenswerten Wassererlebnispfades Dalke. Es lohnt sich.
Heute erinnert Meiers Mühle nicht nur an die Anfänge der Gütersloher Stadtgeschichte, sondern zeigt eindrucksvoll, wie sich ein historisches Gebäude immer wieder neu erfinden kann. Als Station am Wassererlebnispfad entlang der Dalke lädt sie dazu ein, die Vergangenheit ein Stück weit nachzuspüren – am besten bei einer gemütlichen Radtour oder einem Spaziergang. Wer heute an der Dalke unterwegs ist, sollte einen kleinen Stopp an Meiers Mühle einlegen. Zwischen alten Mauern, fließendem Wasser und jeder Menge Geschichte lässt sich erahnen, warum dieser Ort bis heute zu den besonderen Ecken Güterslohs gehört.








