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  • 16.12.2025
  • Ausgabe 118
  • RegioCarl

FEUERWEHRAUTO KEHRT HEIM

WIE ZWEI BRÜDER EINEN MAGIRUS AUS DEM DORNRÖSCHENSCHLAF HOLEN
Regina Meier zu Verl Redakteurbild

Regina Meier zu Verl

Content-Redakteurin

TEXT: REGINA MEIER ZU VERL · FOTOS: FAMILIE PAGENKEMPER & ANDREAS FRÜCHT

Manchmal beginnt eine gute Geschichte nicht mit einem großen Knall, sondern mit einem leisen Klick einer Museumstür. Genau dort, 360 Kilometer von Gütersloh entfernt, dämmerte ein feuerroter Magirus Rundhauber vor sich hin – ein Löschfahrzeug von 1954, das seine treuen Jahre längst hinter sich hatte. Sein Lack war matt geworden, sein Motor verstummt, und eigentlich sollte er nur noch angeschaut, nicht mehr gefahren werden. Doch Geschichten wie diese sind selten zu Ende, solange noch jemand an sie glaubt.

ZWEI BRÜDER, EINE IDEE – UND VIEL HERZBLUT

Als Mario Pagenkemper zum ersten Mal wieder vor »seinem« Feuerwehrauto steht, dauert es nur Sekunden, bis ihn eine Erinnerung trifft wie ein Funken: Sein Opa Heinrich hatte diesen Wagen einst gefahren. Jahrzehntelang. Als Leiter der Werkfeuerwehr der Wirus-Werke in Gütersloh. Für Mario und seinen Bruder Jannick ist der Wagen mehr als ein Stück Technik. Es ist Familie. Geschichte. Herkunft. Die Brüder, 27 und 23 Jahre alt, wohnen auf dem elterlichen Hof in Kaunitz, ein Ort, an dem Schrauben, Maschinen und Geschichten noch Platz haben. Perfekt für ein Projekt, das von Anfang an nach Leidenschaft roch.

BILD: MAGIRUS RUNDHAUBER VON 1954 TAG DER ABHOLUNG 1986 BEI WIRUS

EINE RETTUNG IN LETZTER MINUTE

Der Magirus sollte im Mai 2025 aus dem Museumsbestand aussortiert werden. Ein Sammler hatte ihn bereits übernommen. Und genau das hätte das Verschwinden des Fahrzeugs bedeuten können. Kein Zugang mehr für die Öffentlichkeit, kein Wiedersehen. Doch Mario und Jannick handeln schnell. Für 10.000 Euro kaufen sie den Wagen zurück und holen ihn heim nach Ostwestfalen. Mit dabei: Klaus Nietzold, Schrauber- Urgestein, der seit 50 Jahren alten Motoren neues Leben einhaucht. Ein Mann, der genau weiß, wie sich Geschichte unter öligen Fingern anfühlt.

DER MOMENT, IN DEM DER MOTOR WIEDER ATMET

Vierzehn Abende lang: schrauben, prüfen, fluchen, lachen. Und dann kommt dieser Moment: Ein Knattern. Ein Husten. Ein Aufbäumen. Der Motor erwacht nach 38 Jahren Stillstand. Neue Reifen, eine frisch überholte Bremse – und nach sechs Wochen steht der Magirus beim TÜV. Er besteht auf Anhieb. Was für ein Moment! Manchmal braucht es nicht viel, nur Menschen, die an etwas glauben.

ZURÜCK AUF DIE STRASSEN SEINER HEIMAT

Was Mario und Jannick antreibt, ist nicht der Wunsch nach einem makellosen Schaustück. Sie wollen den Magirus dahin zurückbringen, wo er am glücklichsten war: auf die Straßen von Gütersloh. Zu Oldtimer-Treffen, zu Menschen, die stehen bleiben und staunen. Zu jenen, die noch alte Fotos besitzen oder Geschichten von früher kennen. Denn dieser Wagen ist mehr als alt. Er ist verbunden – mit einer Familie, mit einer Stadt, mit einer Epoche. Und jetzt beginnt sein neues Kapitel. Rot. Laut. Lebendig! Wir vom CARL wünschen allseits gute Fahrt und freuen uns auf eine Begegnung auf den Straßen in unserer Region.