FOTOS: MATTHIAS KIRCHHOFF · TEXT: REGINA MEIER ZU VERL
Noch bevor die letzten Töne des Abschiedskonzerts verklungen waren, hatte sich im Hintergrund längst etwas formiert: der »Weberei Förderverein«. Still, breit aufgestellt und mit dem erklärten Ziel, den Ort durch den bevorstehenden Übergang zu begleiten, bringt er seit Monaten Menschen aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Stadtgesellschaft an einen Tisch. Nicht als Betreiber, nicht als Konkurrenz – sondern als Impulsgeber für das, was die Weberei künftig sein kann.

Dieser neue Zusammenschluss steht für einen Aufbruch, der bewusst leise beginnt. Ein Logowettbewerb läuft: Bis Ende Februar können Vorschläge eingereicht werden. Der Prozess ist dabei ausdrücklich offen angelegt, wie Felix Kupferschmidt, Co-Vorsitzender des Fördervereins, betont: »Die ersten Ideen und Entwürfe trudeln ein – und wir finden es sehr schön, dass darunter auch Bleistiftskizzen sind. Genauso war es gedacht: Niemand muss fertiger Grafikdesigner sein, um etwas beizusteuern.«
Das neue Erscheinungsbild soll keinen radikalen Bruch markieren, sondern eine Neuausrichtung: Bewährtes soll bleiben, Neues möglich werden. Dass dieser Prozess Zeit braucht, ist allen Beteiligten bewusst.
Ein Abschied, der sich wie ein Ende anfühlen durfte
Der Abend, an dem die Weberei Abschied nahm, war einer, der sich tief eingeprägt hat. Musik, Erinnerungen, Dankbarkeit – und das Gefühl, dass hier etwas zu Ende geht, das über Jahre hinweg das kulturelle Leben der Stadt geprägt hat. Fast 13 Jahre lang war die Weberei unter der Trägerschaft der Bürgerkiez gGmbH ein Ort für Konzerte, Lesungen, Diskussionen, Initiativen und Begegnungen. Für viele war sie mehr als eine Bühne – sie war ein Stück Zuhause. Dass dieser Abschied emotional ausfiel, war folgerichtig. Man durfte ihn so empfinden. Gleichzeitig blieb nach dem letzten Lied eine Frage im Raum: War das der Abschied voneiner Ära – oder der Abschied von der Weberei selbst?


Übergang statt Stillstand
Tatsächlich markiert dieser Moment keinen Endpunkt, sondern den Beginn eines Übergangs. Mit dem Auslaufen des Mietvertrags wurde das Gebäude an der Bogenstraße an die Stadt zurückgegeben. Die Immobilie gehört der Stadt, nicht einem Betreiber – und genau darin liegt der Ausgangspunkt für alles Weitere.
Seitdem wird geprüft, gesichtet, sortiert: baulich, organisatorisch, rechtlich. Brandschutz, Baustellensituation, Nutzbarkeit – all das sind Voraussetzungen dafür, dass Kultur überhaupt stattfinden kann. Für das erste Jahr ist klar: Es wird ein Übergangsjahr. Umbauten im Inneren, ein Sparmodus, reduzierte Möglichkeiten. Kein Glanz, keine großen Versprechen – sondern die notwendige Arbeit, um die Weberei zukunftsfähig aufzustellen.
VIELE STIMMEN, EIN GEMEINSAMES ZIEL
Der Weberei Förderverein ist dabei ein wichtiger Akteur mit der starken Stimme der Stadtgesellschaft. Seine Stärke liegt in seiner Zusammensetzung: Politikerinnen und Politiker verschiedener demokratischer Parteien, Kulturschaffende, Unternehmer, junge Menschen und langjährige Weberei-Begleiter arbeiten hier gemeinsam an Ideen. Nicht, um alleine zu bestimmen, sondern um mitzudenken, Vorschläge zu entwickeln und der Weberei politisches und gesellschaftliches Gewicht zu verleihen.


Was dieser Ort einmal war – und welches Potenzial in ihm steckt –, wurde Kupferschmidt besonders deutlich, als er sich mit der Geschichte der Weberei beschäftigte:
»Als ich alte Dokumente suchte und die früheren Weberei-Zeitungen als PDFSammlung bekam, bin ich fast aus allen Wolken gefallen. Welche sensationellen Künstlerinnen und Künstler hier schon aufgetreten sind.«
Diese Vergangenheit ist für vielen ein Antrieb, nicht bei einem bloßen Weiter-so stehenzubleiben, sondern die Weberei neu zu denken.
ZUKUNFT MIT OFFENEN FRAGEN – UND KLARER RICHTUNG
Zur Zukunft der Weberei gehört auch die Gastronomie. Nicht als Selbstzweck, sondern als Teil eines lebendigen Ortes – innen wie außen. Der Biergarten in den Dalkauen ist dabei ebenso im Blick wie die Frage, wie Gastronomie und soziokulturelles Angebot künftig zusammenspielen können.
Auch die Frage nach der künftigen Struktur ist offen. Ob Verein, Genossenschaft, gGmbH oder ein anderes Modell – all das wird derzeit entwickelt. Klar ist jedoch eines: Die Weberei soll auch künftig ein soziokulturelles Zentrum bleiben. Dabei setzt der Förderverein auf Austausch und Vernetzung – ein Prinzip, das für Kupferschmidt typisch für Gütersloh ist:
»Wir stehen mit unterschiedlichsten Ideengebern in Kontakt. Man kann mit niemandem nicht in Kontakt sein – und genau das liebe ich an dieser Stadt.«


Der Abschied war laut und emotional. Der Übergang ist leise und arbeitsintensiv. Und der neue Aufbruch? Der hat längst begonnen – nicht als fertiger Plan, sondern als Prozess, an dem viele beteiligt sind.
Nicht als Kopie der Vergangenheit. Sondern als nächste Etappe.


