FOTOS: AUTOHAUS HENTZE · TEXT: CARL
Wie das älteste Autohaus Güterslohs seit 125 Jahren Kurs hält – und warum Verzicht manchmal der größte Fortschritt ist. Wer an der Herzebrocker Straße vorbeifährt, ahnt kaum, welche Geschichte hinter der Fassade des Autohauses Hentze steckt. Keine grellen Leuchtreklamen, keine monumentale Glasarchitektur – und doch hat der Betrieb Kriege, Wirtschaftswunder, Markenaufstiege und -abstürze erlebt. 125 Jahre Firmengeschichte – und kein bisschen müde. Vielleicht liegt darin das Geheimnis.

Der Mut zum richtigen Abschied
Manchmal bedeutet Fortschritt nicht Wachstum, sondern Loslassen. 2001 trennte sich Hentze still von Opel, eine Entscheidung, die das Unternehmen unabhängiger machte und seinen Fortbestand sicherte. Heute führt Markus Fissenewert in vierter Generation den Familienbetrieb. Ohne Konzernvorgaben kann das Autohaus frei in Beratung, Sortiment und Gestaltung agieren – was vieles einfacher und ehrlicher macht. Das Unternehmen ist klein, aber gesund: Rund 300 Fahrzeuge wechseln jährlich den Besitzer, zwölf Mitarbeitende sorgen für reibungslose Abläufe, sieben davon in der Werkstatt. Wachstum um jeden Preis ist hier kein Thema; Bodenhaftung und Vertrauen stehen im Vordergrund.
▶ Inhaber Markus Fis senewert steht vor seinem Liebhaberstück einem »Opel Rekord« aus den 60er Jahr en.
Vom »Doktorwagen« zur freien Marke
Die Geschichte beginnt 1899, als Bernhard Hentze zunächst mit Fahrrädern und Nähmaschinen handelte, später mit Motorrädern. 1908 verkaufte er das erste Motorrad, 1912 dann das erste Automobil, einen Opel 4/8 PS, den legendären »Doktorwagen«. Hentze wuchs mit Opel, zog um, baute aus, wurde Fahrlehrer und exklusiver Vertragshändler – bis der Krieg alles zerstörte. Werkstatt, Wohnhaus und Geschäft lagen in Trümmern, doch die Familie baute alles wieder auf und lieferte Kadett, Kapitän und Rekord, Symbole des Wirtschaftswunders.
▶ Der »Doktorwagen« war Opels Durchbruch: zuverlässig und extrem verbreitet bei Ärzten – daher der Name. Extrem verbreitet auch auf dem Land damit die Ärzte ihre Patienten schnell erreichen konnten.


In den 1950er- und 60er-Jahren gehörte Hentze zu den erfolgreichsten Opel-Händlern. Neubauten, Auszeichnungen und Erweiterungen prägten die Zeit, doch die Familie blieb ihrem Stil treu: solide, handwerklich, nah am Kunden. 1956 übernahm Hermann Hentze den Autobetrieb und zog an die Herzebrocker Straße, wo eine damals hochmoderne Werkstatt entstand. Fortschritt ja, aber immer mit Maß.
▶ Schon mit 22 Jahr en gründete Hermann Hentze sein Unternehmen an der Blessenstätte – ein mutiger Schritt in jungen Jahr en.
Heute bezieht Hentze Fahrzeuge über die Einkaufsgenossenschaft EGA, arbeitet mit unterschiedlichen Marken und setzt auf ehrliche Beratung ohne Verkaufsquoten oder CI-Vorgaben. Diese Freiheit zeigt sich als klarer Vorteil und trägt dazu bei, dass das Autohaus nach 125 Jahren noch existiert. Man vertraut dem lokalen Markt und weiß, wann es Zeit ist, loszulassen oder zu bleiben. Während viele Traditionsbetriebe keine Nachfolge finden, bereitet sich bei Hentze bereits die fünfte Generation vor: Sohn Mika absolviert eine Ausbildung zum Automobilkaufmann. Kein Automatismus, kein Druck – aber ein stiller Beweis, dass die Geschichte des Hauses weitergeht. Klein, aber gesund – ein Satz, der in Gütersloh mehr ist als ein Motto. Er ist Haltung und vielleicht das beste Erfolgsgeheimnis überhaupt.
Wir vom Carl gratulieren Herzlich!
▶ Damals ein Meil enstein: Die Fachwelt war beeindruckt von Hentzes Werkstatt mit ihren Gruben und Absaugschläuchen.

Kontakt:
Autohaus Hentze GmbH
Herzebrocker Str. 29
33330 Gütersloh
Tel.: 05241 59034
Öffnungszeiten:
Mo.-Fr.: 08:00 – 18:00 Uhr
Sa.: 10:00 – 13:00 Uhr



