Wir sind CarlMakesMedia
a
  • 24.02.2026
  • Ausgabe 120
  • RegioCarl

CARL CRIME-STORYS

#PART 1
CarlMakesMedia Redakteurbild

CarlMakesMedia

TEXT UND FOTOS: CARLMAKESMEDIA

*Dieser Bericht enthält teilweise KI-generierte bzw. KI-unterstützt erstellte Bild- und Toninhalte.

Willkommen zur ersten »CARL CRIME STORY«

Ab sofort nehmen wir euch jeden Monat mit auf eine Reise in die dunkleren Kapitel von Gütersloh und Umgebung. Spektakuläre Verbrechen, rätselhafte Mordfälle und Ereignisse, die hier tatsächlich passiert sind – näher, als man denkt. Keine frei erfundenen Storys.

Sondern echte Fälle, echte Schicksale und Ermittlungen, die bis heute nachwirken.

Wir erzählen, was damals geschah, wie die Polizei ermittelte und welche Details noch immer unter die Haut gehen. Manche Fälle wurden gelöst, andere geben bis heute Rätsel auf. Die CARL CRIME STORYS basieren auf wahren Begebenheiten – und machen das Magazin CARL jeden Monat ein Stück spannender.

Lest mit. Rätselt mit. Denn manchmal ist die Realität fesselnder als jede Fiktion…

Der Tote am Eselsbach

Es war ein Samstagmorgen. Ein grauer, feuchter Wintermorgen, wie ihn Ostwestfalen seit Jahrzehnten scheinbar unverändert hervorbringt – ein Himmel ohne Farbe, Luft ohne Geruch, eine Stadt, die noch schläft.

Auf Gleis 3 des Gütersloher Hauptbahnhofs fährt ein ICE aus Berlin ein.

Dass hier überhaupt noch ein Hochgeschwindigkeitszug hält, wirkt fast wie ein Versehen. Türen zischten, Dampf stieg aus den Bremsen, und zwischen wenigen Pendlern und müden Wochenendreisenden stieg ein Mann aus.

Karl Drenkelfort.
59 Jahre alt.
Ein Meter neunundfünfzig groß
Kurze zurückgekämmte Haare
Graumelierter, gepflegter Vollbart
Bundeskriminalbeamter.
Profiler.

Kein Fernsehgesicht, kein Interviewgast in Talkshows – aber in Berlin, unter Ermittlern, fast eine Legende. Eine Aufklärungsquote, die man nur hinter vorgehaltener Hand erwähnte. Kollegen sagten über ihn: Er versteht Täter besser als Zeugen. Aber er war nicht nur wegen eines aktuellen Falls hier. Er war wegen etwas gekommen, das 50 Jahre zurücklag.

Kattenstroth, 1976

Damals lebte Karl als Kind in Kattenstroth, in einer Sackgasse gegenüber dem Ludwig-Wolker-Fußballplatz. Ein Sechsfamilienhaus – unscheinbar, grau verputzt, gebaut in den 60ern. Die Wohnungen waren günstig, weil sie fast ausschließlich an Polizeibeamte vergeben wurden.

Überall Uniformen.
Im Treppenhaus Stiefel, Funkgeräte, Gespräche über Einsätze.

Karl war der Sohn einer alleinerziehenden Mutter, die der Liebe wegen nach Gütersloh kam, dann verlassen wurde und in zwei Schichten arbeiten musste. Vier Geschwister, wenig Geld, kaum Zeit. Aufpassen konnte sie nicht immer.

Und so passte ein anderer auf ihn auf.

Hans-Peter S.!

Der Sohn eines hochrangigen LKA-Polizisten.
29 Jahre alt.

Er war keiner von den strahlenden jungen Männern der Straße – eher blass, still, merkwürdig höflich. Aber er nahm Karl mit: zu Fußballspielen der DJK Gütersloh ins Heidewald-Stadion, zu Auswärtsfahrten, zu Imbissbuden, in Busse voller Fans. Karl Drenkelfort mochte ihn. Denn bei ihm fühlte er sich beschützt. Doch Schutz kann trügerisch sein.

Die ersten Zeichen

Hans-Peter veränderte sich bei Spielen. Je länger das Spiel dauerte, desto stiller wurde er und plötzlich aggressiv. Karl sah Dinge, die ein Kind nicht sehen sollte: gebrochene Nasen, blutige Gesichter, Kopfstöße aus nächster Nähe. Hans-Peter schlug nicht aus Wut, er schlug ruhig.

Einmal, nach einem Spiel bei Preußen Münster, stieß er den neunjährigen Karl einfach aus dem Bus. »Sieh zu, wie du nach Hause kommst.“«

Allein.
Ohne Geld.
60 Kilometer entfernt.

Karl schaffte es irgendwie per Anhalter oder zu Fuß. Er erzählte es zuhause nicht, denn seine Mutter war erschöpft und wusste gar nicht ,dass Hans-Peter ihn ständig mit zu Auswärtsspielen nahm. Hans-Peter galt für Karls Mutter als ein zuverlässiger Mensch.

Ein anderes Mal, nahm er Karl zu einer Faschingsfeier mit. Bunte Kostüme, Musik, lachende Erwachsene. Hans-Peter gab ihm eine Flasche Bier zu trinken.

Der Junge war natürlich bald betrunken.

Später schob er ihn nachts allein hinaus. Der Heimweg führte über dunkle Wiesen, Stacheldrahtzäune und Dornenhecken. Karl kam blutverschmiert an, die Beine aufgerissen und die Kleidung zerfetzt.

Seine Mutter verarztete ihn.
Sie verstand es nicht.
Aber sie hatte keine Alternative.

Karl war immer bei Hans-Peter. Und genau darin lag sein unfassbares Glück.

Die Verhaftung

Eines Nachmittags, Karl wollte gerade zum Fußballspielen hinausgehen, hörte er Schritte im Treppenhaus. Nicht normale Schritte. Schwere Stiefel. Zehn Männer, schwarz gekleidet, bis unter die Zähne bewaffnet, stürmten die Wohnung im ersten Stock. Türen splitterten. Schreie. Befehle.

Dann führten sie Hans-Peter S. in Handschellen hinaus. Karl stand auf halber Treppe. Hans-Peter sah ihn kurz an – und lächelte. Es war das letzte Mal, dass Karl ihn sah.

Die Wahrheit

Erst später erfuhr man den Grund. Hans-Peter war ein Serienmörder! Er hatte junge Frauen verfolgt, missbraucht und getötet. Nicht aus Not, nicht aus Streit sondern, wie die Ermittler später feststellten, aus einem inneren Zwang. Manchmal ohne jeden Anlass. Sein bekanntestes Opfer war eine 16-jährige Grafikstudentin, die am Eselsbach auf dem Heimweg war. Er folgte ihr einfach. Und tötete sie. Es folgte eine lebenslange Haft. Karls Glück Jahre später, als Karl selbst Ermittler wurde, begriff er etwas, das ihn der Tod der jungen Frau und Hans Peter S. nie wieder losließ: Serienmörder beginnen selten mit Fremden. Sie beginnen mit Nähe. Mit Kontrolle. Mit Ausprobieren. Mit jemandem, der ihnen vertraut. Karl war neun Jahre alt.

Er war ständig allein mit ihm unterwegs.  Er wurde bereits gefährlichen Situationen ausgesetzt. Er wurde nachts ausgesetzt. Er wurde alkoholisiert. Er wurde isoliert.

Und Karl erkannte:

Er war kein Zufall. Er war vermutlich die erste Auswahl gewesen. Der Grund, warum er heute am Leben war, war kein Instinkt, keine Stärke, sondern reiner Zufall. Die Polizei kam früher, als Hans-Peter S. geplant hatte. Nicht Mut rettete ihn. Die Zeit rettete ihn.

Er begriff:

Seine Karriere begann nicht im BKA. Sie begann an dem Tag, an dem er nicht selbst zum Opfer wurde. Nun aber zurück zum Anfang unserer Geschichte: Karl Drenkelfort stand jetzt, Jahrzehnte später, auf dem Bahnsteig des Gütersloher Bahnhofs. Er war in seine alte Heimat zurückgekehrt, um an einem aktuellen Mordfall mitzuarbeiten.

Und dieser führte ihn in die Villengegend des Gütersloher Stadtparks.

Als er die Thesings-Allee entlang ging, sah er schon von Weitem seine Gütersloher Kollegen.

Ein kalter Schauer lief ihm den Rücken runter, als er feststellte, dass der Fundort einer Leiche an der Brücke, an der Ecke Emillienstraße ist. Wieder eine Tote am Eselsbach!

Kriminalhauptkommissarin Lea Sommerfeld. Anfang 30, konzentriert, wachsam erwartete ihn schon. Sie gehörte zu der Sorte Ermittler, die wenig redeten und viel bemerkten.

»Glauben Sie an Zufälle, Herr Drenkelfort?«

Drenkelfort sah den Tatort an. »Doch«, sagte er ruhig.

»Aber Serienmörder tun dies nicht.«

Lea deutete auf die Position der Hände, während die Spurensicherung den Tatort mit Flatterband absperrte. »Wir kennen alte Akten einiger Serientäter… Es gab einen Fall in den 70ern der fast identisch war. Der Täter sitzt seit Jahrzehnten in Haft.«

Karl antwortete nicht sofort.
Dann …
»Lebenslang heißt in Deutschland nicht für immer.« – Stille.

»Wissen Sie, was mich stört?« fragte Lea.

Drenkelfort nickte bereits.

»Der Täter , dass die Tote gefunden wird.«

Er hatte nichts verwischt. Keine Panik. Keine Hast. Das war keine spontane Tat. Das war eine Botschaft.

Seine Augen lagen auf dem Gesicht der Toten – friedlich, fast ruhig. »Genau wie damals«, sagte er.

Lea stand immer noch neben Drenkelfort und notierte etwas, als plötzlich ihr Handy vibrierte. Ganz kurz summte es. Sie warf einen schnellen Blick darauf – zunächst beiläufig. Dann erstarrte sie. Die Farbe wich aus ihrem Gesicht.

»Herr Drenkelfort…«
Er sah sie an.
Sie drehte langsam das Display zu ihm.
WhatsApp.
Unbekannte Nummer.

Eine einzige Nachricht: »Ich bin wieder da.« Gezeichnet… Hans-Peter S.

Für einen Moment hörte Karl Drenkelfort nicht mehr zu … Nur eine Erkenntnis.

Jetzt weiß ich, warum ich hier bin.
Jetzt weiß ich, warum ich bleibe.
Denn der Fall hat jetzt erst begonnen.