TEXT: REGINA MEIER ZU VERL | FOTOS: STADT ARCHIV GÜTERSLOH UND DEUTSCHE SCHLAGANFALL-STIFTUNG
Viele Gütersloherinnen und Gütersloher verbinden persönliche Erinnerungen mit dem Haus an der Schulstraße 22. Die einen kennen es als Kunsthaus des Städtischen Gymnasiums, andere haben hier früher ihre Bücher in der Stadtbibliothek ausgeliehen. Heute hat die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe in dem historischen Gebäude ihren Sitz.

Errichtet wurde das markante Haus 1912 von der Sparkasse, ein Jahr später wurde es bezogen. Entworfen hat es der Architekt Ludwig Schluckebier, der den damals modernen Reformstil aufgriff – eine Architektur, die Neues mit klassischen Elementen verbindet. Besonders ins Auge fällt der kunstvoll gestaltete Sandsteinvorbau mit seinen dorischen Säulen. Das quadratische Gebäude mit Zeltdach und Mansardenausbauten erinnert ein wenig an das Bielefelder Stadttheater und gilt bis heute als städtebaulich bedeutendes Bauwerk.
Der repräsentative Haupteingang führte zunächst in einen Vorraum, von dort ging es weiter in die große Schalterhalle mit einer beeindruckenden Höhe von 4,30 Metern. Im Kassenraum standen hohe Schaltertische, daneben befand sich der Tresor in einem eigenen Raum – ein weiterer Tresorraum lag im Keller. Im ersten Obergeschoss arbeiteten Verwaltung undLeitung der Sparkasse, während im zweiten Obergeschoss unter anderem die Wohnung eines Sparkassendirektors untergebracht war.


1937 zog die Sparkasse in die Strengerstraße um. Danach nutzte zunächst die Stadtverwaltung das Gebäude, bis sie später ins Rathaus umzog. Im Mai 1959 zog die 1903 gegründete städtische Volksbücherei von der Friedrichstraße in die Räume im Erdgeschoss ein. Zwei Jahre später kam eine Kinderbücherei hinzu – und aus der Volksbücherei wurde offiziell die Stadtbücherei mit rund 13.000 Büchern.
Ab 1965 stand auch das erste Obergeschoss für die Kinder- und Jugendabteilung zur Verfügung. Bis 1980 nutzte zudem die Musikschule die Räume im zweiten Obergeschoss.
1984 zog die Bücherei schließlich in den Neubau an der Blessenstätte um. Das inzwischen unter Denkmalschutz stehende Haus übernahm das Städtische Gymnasium und richtete hier Räume für den Kunstunterricht ein – daher stammt auch der vielen Güterslohern vertraute Name „Kunsthaus“. Insgesamt neun Arbeitsräume und ein Fotolabor standen zur Verfügung, der ehemalige Tresorraum diente nun als Schularchiv.


Nach rund drei Jahrzehnten kaufte die Bertelsmann Stiftung das Gebäude für die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Ab Februar 2015 wurde das Haus umfassend saniert, 2016 zog die Stiftung schließlich ein. Bei der liebevollen Renovierung orientierte man sich eng am ursprünglichen Erscheinungsbild – selbst die prachtvollen Fliesen konnten erhalten werden. Heute befinden sich im Erdgeschoss Konferenzräume, darüber Büros. Um zusätzliche Fläche zu gewinnen, wurde der Keller in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz um etwa 70 Zentimeter abgesenkt.






