TEXT: REGINA MEIER ZU VERL FOTOS: STADT ARCHIV GÜTERSLOH
Wer heute am Hermann-Geibel-Haus vorbeigeht, ahnt kaum, dass genau hier einst das erste Gütersloher Krankenhaus stand. Mit gerade einmal 13 Betten begann an dieser Stelle eine Geschichte, die bis heute fortgeschrieben wird.
Möglich wurde das durch den Kaufmann Heinrich Barth. Mit seinem Vermächtnis legte er den Grundstein für ein Krankenhaus, das vor allem armen evangelischen Bürgerinnen und Bürgern helfen sollte. Seine Stiftung machte übrigens nicht nur den Bau des Krankenhauses möglich, sondern auch den des Alten Rathauses.
Die ersten Jahrzehnte hatten mit einem modernen Krankenhaus, wie wir es heute kennen, nur wenig gemeinsam. Zwei Diakonissen kümmerten sich um die Patienten, unterstützt von Frauen aus der Stadt. Behandelt wurde alles, was das Leben damals mit sich brachte: Typhus, Tuberkulose, Schlaganfälle, schwere Verletzungen oder die Folgen harter körperlicher Arbeit. Als Anfang der 1870er-Jahre eine Pockenepidemie Gütersloh erreichte, musste sogar eine Quarantänestation eingerichtet werden.


Mit der wachsenden Stadt stieg auch der Bedarf an medizinischer Versorgung. Um die Jahrhundertwende wurde das Krankenhaus erweitert. Es entstanden zusätzliche Betten, ein Operationsraum und weitere Behandlungsräume. Doch schon bald wurde deutlich: Das Gebäude war zu klein geworden.
Anfang der 1930er-Jahre zog das Krankenhaus deshalb an die Reckenberger Straße um. Das neue Haus bot deutlich bessere Bedingungen für Patienten und Personal. Der Zweite Weltkrieg hinterließ zwar Spuren, doch schon kurz nach Kriegsende begann erneut der Ausbau. Immer mehr Menschen benötigten medizinische Hilfe, und das Klinikum wuchs Schritt für Schritt mit seinen Aufgaben.
In den folgenden Jahrzehnten kamen moderne Operationssäle, Intensivstationen, Röntgenabteilungen, eine Kinderstation und weitere Fachbereiche hinzu. Auch die Zimmer wurden komfortabler, neue Bettenhäuser entstanden und die medizinische Technik entwickelte sich stetig weiter. Aus dem kleinen Krankenhaus mit 13 Betten wurde eines der wichtigsten Gesundheitszentren der Region.
Auch organisatorisch veränderte sich vieles. Aus dem städtischen Krankenhaus wurde schließlich das heutige Klinikum Gütersloh, das seine medizinischen Angebote kontinuierlich ausbaute und um Ärztehäuser sowie moderne Fachabteilungen ergänzte.
Was einst als kleines Krankenhaus für Bedürftige begann, ist heute ein hochmodernes Klinikum, das weit über die Stadtgrenzen hinaus Patienten versorgt. Der Gedanke von damals ist dabei geblieben: Menschen zu helfen – nur mit ganz anderen Möglichkeiten als noch vor über anderthalb Jahrhunderten.







