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  • 27.01.2026
  • Ausgabe 119
  • RegioCarl

SCHLOSS NORDKIRCHEN

DAS WESTFÄLISCHE VERSAILLES
Daniela Toman Redakteurbild

Daniela Toman

TEXT & FOTOS: DANIELA TOMAN

Größtes Wasserschloss in Westfalen

Schloss Nordkirchen ist eine ehemalige Residenz der Fürstbischöfe von Münster. Die barocke Dreiflügelanlage entstand von 1703 bis 1734 im Auftrag von Friedrich Christian von Plettenberg. Ihre Ursprünge reichen bis zu einer stark befestigten Wasserburg der Familie Morrien aus dem frühen 16. Jahrhundert zurück. Nach dem Aussterben der Morrien gelangte das Anwesen 1694 an die Familie von Plettenberg, die es im 18. Jahrhundert zu einer repräsentativen Residenz mit einem der berühmtesten Schlossgärten Europas umgestalten ließ. Nach dem Aussterben dieser Linie 1813 ging der Besitz über die Erbtochter Maria von Plettenberg an ihren Sohn Miklós Esterházy de Galántha. 1903 erwarb Herzog Engelbert-Maria von Arenberg das Schloss und ließ es sanieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel die Anlage, bis das Land Nordrhein- Westfalen sie ab 1949 nutzte, 1958 erwarb und bis 1991 umfassend restaurierte.

Venusinsel

Die Schlossgebäude sind von einem rund 172 Hektar großen Schlosspark umgeben, der ein wichtiger Garten des European Garden Heritage Network ist. Der zentrale Teil des heutigen Schlossparks ist die nördlich vor dem Schloss gelegene Venusinsel. Ihren Namen verdankt sie den dort aufgestellten Venusfiguren. Vom Schloss aus gelangt man über eine große Terrasse und eine breite Freitreppe auf die tiefer liegende, etwa 240 x 130 Meter große Insel. Im Zentrum befindet sich ein Broderieparterre aus kunstvoll geschnittenem Buchs, Eiben und Liguster. Seitlich schließen sich schlichtere Rasenparterres an, die von 1,30 Meter breiten, mit Buchs eingefassten Blumenrabatten begleitet werden.

Barocke Skulpturen

An der Ost- und Westseite der Venusinsel verlaufen erhöhte, von Kastanien gesäumte Promenaden, sogenannte Promenoirs, die rund einen Meter über dem Parterregarten liegen. Entlang der geradlinigen Wege sind Büsten römischer Kaiser und Philosophen aufgestellt.

Im Norden schließt sich ein etwa 67 x 183 Meter großer Spiegelweiher an, der über breite Treppenanlagen erreichbar ist. Jenseits des Weihers befindet sich ein Wegestern, von dem fünf schnurgerade Waldachsen, teils von Torpfeilern gerahmt, in das umliegende Waldgebiet führen.

Der Schlosspark von Nordkirchen ist mit insgesamt 385 Skulpturen ausgestattet. Zu den wichtigsten Exemplaren zählt die Skulptur des Frühlings in der Mitte des Broderieparterres der Venusinsel. Die erste belegte Lieferung von Gartenskulpturen erfolgte 1721 durch den Münsteraner Bildhauer Johann Wilhelm Gröninger. Seine nach antiken Vorbildern gestalteten Götterfiguren wurden 1725 in den Kastanienalleen aufgestellt. Darunter befanden sich Abbilder von Venus, Mars, Jupiter, Apollo, Bacchus sowie zwölf Vasen und eine Herkulesstatue.