FOTOS & TEXT: DANIELA TOMAN
Für das Magazin Carl ist Daniela Toman immer wieder auf inspirierenden Reisen unterwegs, um besondere Orte, Kulturen und Stimmungen einzufangen. Erst kürzlich berichtete sie aus Ägypten, wo sie unter anderem im berühmten Tutanchamun-Museum auf Entdeckungsreise ging. Gärten faszinieren Daniela Toman dabei besonders, denn sie spiegeln die Kultur, Natur und Atmosphäre eines Landes auf einzigartige Weise wider. Auf ihren Reisen entstehen immer wieder neue Eindrücke und Perspektiven, die ihre Arbeit prägen und die sie gerne mit den Leserinnen und Lesern des Magazins Carl teilt.

Palanga ist das Ostseebad Litauens und weit darüber hinaus bekannt. Bis zur Unabhängigkeit 1990 pilgerten Erholungssuchende aus ganz Russland hierher. Nach der Grenzschließung brach der Tourismus zunächst empfindlich ein, doch längst hat sich Palanga als internationaler Badeort neu erfunden. Mein eigentliches Ziel jedoch war der Botanische Garten. Graf Felix Tiškevičius ließ ihn 1897 im englischen Stil mit klassizistischen Elementen anlegen, umgesetzt vom renommierten französischen Gartenarchitekten Édouard François André. Im Herzen des Parks thront ein elegantes Schloss, das heute das sehenswerte Bernsteinmuseum beherbergt. Über zwölf Eingänge erschließt sich eine weitläufige Parkanlage von rund 100 Hektar. Alter, mächtiger Baumbestand, offene Wiesen, stille Teiche und sorgfältig gepflegte Pflanzungen, eine grüne Oase zum Staunen und Verweilen. Ein Highlight aber ist der eigene Parkstrand direkt an der Ostsee. Die Wellen rauschen, der Wind streicht durch die Baumkronen, welcher Botanische Garten der Welt kann das schon bieten?
Im Botanischen Garten erhebt sich der Biruté-Hügel, der höchste Punkt Palangas. An seinem Fuß lädt eine Grotte zur Andacht vor der Jungfrau Maria ein. Bereits 1506 errichteten Christen auf dem Hügel eine Kapelle zu Ehren von Biruté. Doch wer war Biruté? Als Kęstutis, Großfürst von Litauen, von seinem Neffen Jogaila gefangen genommen wurde, verbannte dieser dessen Gemahlin nach Palanga. In jungen Jahren hatte sie als Priesterin des Feuergottes gewirkt. Nach Aufzeichnungen des Deutschen Ordens wurde sie schließlich nach Brest verschleppt und dort ermordet. Die Litauer verehrten Biruté innig, ein Kult entstand um sie, und der Legende nach ruht sie am Fuße des Hügels, der heute ihren Namen trägt. Wer den Aufstieg wagt, wird mit einem herrlichen Blick auf die Ostsee belohnt. Eine eigens freigehaltene Sichtachse sorgt dafür, dass er zu jeder Jahreszeit erhalten bleibt.


Etwas abseits des Schlosses, nahe der großen Orangerie, liegt das Kleine Parterre. Einst befand sich hier der persönliche Garten des Grafen Tiškevičius. Im Laufe der Jahre wurde dieser Gartenbereich erweitert und neu gestaltet. Heute empfängt ein weitläufiger elliptischer Raum den Besucher. Blumenbeete, ein Bassin und ein Springbrunnen in der Mitte verleihen ihm eine klassische Eleganz. Zu den weiteren Highlights des Parks zählen zwei Teichanlagen mit zusammen gut einem Hektar Wasserfläche. Malerische weiße Holzbrücken, majestätische Schwäne und neugierige Enten machen sie zu beliebten Fotomotiven. Sowohl die Teiche als auch der beeindruckende Baumbestand und die bewusst angelegten Sichtachsen sind zentrale Elemente des englischen Landschaftsparkstils. Eine Gestaltungsphilosophie, die Natur und Kunst zu einer harmonischen, scheinbar mühelos gewachsenen Einheit verbindet.
Nahe dem Schloss liegt das Rosarium mit rund 80 Sorten und über 700 Rosenstöcken. Im Sommer verwandelt es sich in einen stimmungsvollen Konzertsaal unter freiem Himmel. Die Nationalphilharmonie Litauens gibt hier ihre traditionellen »Nachtserenaden«. Seit 2012 wird der Rosengarten umfassend erneuert, mit besonderem Augenmerk auf robuste und ausdauernde Sorten. Über allem wacht seit 1983 die Skulptur »Rebeka«, die Wasserträgerin.
Palanga ist eine Reise wert, nicht nur wegen des beeindruckenden Botanischen Gartens, sondern auch für einen Besuch des faszinierenden Bernsteinmuseums im Herzen des Parks.







