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  • 28.05.2026
  • Ausgabe 123
  • RegioCarl

ECHTES INDIEN

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FOTOS: DANA BECKEBANZ TEXT: CARLMAKESMEDIA

Zwischen hupenden TukTuks, staubigen Gassen und endlosen Reisfeldern hat Dana Beckebanz etwas gefunden, das im Alltag oft verloren geht: echte Momente. Die 24-jährige Gütersloherin verbrachte drei Monate allein in Indien – mit einem 60-Liter-Rucksack, ihrer Kamera und dem Wunsch, dem deutschen Winter zu entfliehen. Was zunächst wie eine spontane Auszeit wirkte, wurde schnell zu einer intensiven Reise voller Begegnungen, Eindrücke und Emotionen. Eine Reise, die nicht nur ihren Blick auf die Welt verändert hat, sondern auch ihre Art zu fotografieren.

Delhi, Jaipur, Pushkar, Bundi, Goa, Gokarna – Orte, die sich für Dana weniger wie klassische Sehenswürdigkeiten anfühlten, sondern vielmehr wie einzelne Kapitel einer besonderen Geschichte. Die ersten Wochen war sie fast ständig unterwegs: spontan, manchmal chaotisch, aber immer neugierig. Mit Sleeper-Trains, überfüllten Bussen, TukTuks und später sogar mit dem Fahrrad bewegte sie sich durch ein Land, das gleichzeitig laut und ruhig, überwältigend und herzlich sein kann.

Doch was Dana aus Indien mitgebracht hat, sind keine perfekten Postkartenmotive. Ihre Fotografien zeigen keine künstlich inszenierten Sonnenuntergänge oder glattpolierten Reisekulissen. Sie fotografiert das Echte. Den kleinen Jungen auf einem Brunnen. Kühe am Strand. Reisfelder hinter einfachen Häusern. Wäscheleinen zwischen Palmen. Menschen, die lachen, beobachten oder einfach nur leben. Bilder, die nicht perfekt wirken wollen – und gerade deshalb berühren.

»Es geht um Echtheit«, sagt sie selbst über ihre Fotografie. Und genau das spürt man in ihren Bildern. Vieles entsteht spontan – aus einem kurzen Blickkontakt, einer zufälligen Begegnung oder einem Moment, der nur wenige Sekunden dauert. In Bundi, einer eher untouristischen Stadt in Rajasthan, kamen kleine Mädchen neugierig auf sie zu und wollten fotografiert werden. Aus dieser kurzen Begegnung entstand eines ihrer Lieblingsbilder. Nicht geplant, nicht gestellt – einfach passiert.

Besonders fasziniert hat Dana, wie sichtbar Alltag in Indien wird. Während hierzulande oft Perfektion angestrebt wird, empfindet sie gerade das Unperfekte als schön. Kleine Dörfer mitten im Wald, gestapeltes Holz vor Häusern, freilaufende Hunde, improvisierte Straßenküchen und Reisfelder – Szenen, die echte Geschichten erzählen. Geschichten von Menschen, die mit wenig auskommen und trotzdem oft eine große Zufriedenheit ausstrahlen.

Lange blieb sie schließlich in Gokarna, einem ruhigen Ort an der Westküste Karnatakas, den viele als das „alte Goa“ beschreiben. Dort lebte sie zwei Monate lang in einem kleinen Bungalow im Garten einer Familie – ohne Luxus, aber mit etwas, das oft viel wertvoller ist: Ruhe, Zeit und Abstand. Nach Wochen voller Eindrücke wurde dieser Ort für sie zu einer Art Zuhause auf Zeit.

Beeindruckt haben sie vor allem die Menschen. Offenheit, Neugier und Dankbarkeit begegneten ihr immer wieder. Viele wollten wissen, woher sie kommt, wie sie Indien erlebt und warum sie allein reist. Natürlich gab es auch skeptische Blicke – besonders als blonde Frau fällt man in Indien auf. Doch die positiven Begegnungen überwogen deutlich. »Man merkt dort einfach, dass Dinge bewusster geschätzt werden«, erzählt sie. Weniger Überfluss, weniger Selbstverständlichkeit – dafür oft mehr Herzlichkeit.

Ein ganz besonderer Moment war das Shiva-Ratri-Festival. Wochenlang hatten Dorfbewohner einen riesigen Wagen gebaut – komplett von Hand, mit Holz, Schnüren, Stoffen und Blumen geschmückt. Als der Wagen schließlich durch die engen Straßen gezogen wurde, drängten sich die Menschen an den Seiten, warfen Bananen in kleine Öffnungen des Wagens – ein Ritual, das Glück bringen soll. Für Dana war es einer dieser seltenen Augenblicke, die man nicht nur fotografiert, sondern fühlt.