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  • 09.02.2024
  • Ausgabe 96
  • RegioCarl

Erik Horsthemke Blogbeitrag #2

Ein Tag voller Herausforderungen auf Erik Horsthemkes Afrika-Tour
Regina Meier zu Verl Redakteurbild

Regina Meier zu Verl

Content-Redakteurin

Überleben in der Wildnis: Erik Horsthemke´s epische Fahrradreise durch Südafrika

Mit dem Fahrrad durch Afrika - Eine Herausforderung

Es ist der zweite Tag auf meiner Afrika Tour von Kapstadt bis nach Uganda. Ich bin demnach immer noch im südlichen Teil Südafrikas ca. 150km entfernt von Kapstadt. Die Landschaft ist immer noch grün, aber verändert sich langsam mehr und mehr in ein recht nasses Braun.

Geschlafen habe ich die letzte Nacht im Zelt. Auch wenn ich das vorher schon X mal gemacht habe, so ist es in jedem Land, nein eigentlich überhaupt jeden Tag eine andere Erfahrung. Es ist recht windig. Das Zelt wackelt etwas: nichts Dramatisches. Auf meinem Gaskocher mache ich mir nach der überstandenen Nacht eine Nudelsuppe. Die gibt es überall, ist relativ nahrhaft und fast sowas wie lecker. Um mich herum sind im Umkreis von 50km nur Felder. Seit ca. 20 Stunden habe ich keinen anderen Menschen gesehen. Entgegen meiner Erwartung ist Südafrika ziemlich kalt. Als ich aus dem Zelt krieche, sind es vielleicht 10 Grad. Ich bemerke, dass rechts von mir ein Fluss ist, den ich eigentlich überqueren müsste, um wieder auf meine Route zu kommen.

Erik Horsthemke Afrika Fahrrad Blog (5)
Erik Horsthemke Afrika Fahrrad Blog (4)

Erst nach über zwei Stunden entlang des Flusses, durch Schlamm und nasses Gras, finde ich eine Brücke, bei der ich den Fluss überqueren kann. Doch ganz schön anders als zuhause denke ich mir.

Die Nudelsuppe war doch etwas wenig. Ich suche im nächsten Dörfchen nach etwas Essbarem. Der kleine Ort Gouda, fühlt sich an wie aus einer anderen Zeit. Alte Eisenbahnschienen halb zerstörte Häuser, alles wirkt irgendwie eingeschlafen. An einer kleinen Tankstelle finde ich etwas Brot, Cola und natürlich Nudelsuppe als Proviant. Die Landschaft ändert sich von nun an schlagartig. Ich fahre in den ersten Berg meiner Reise. Ab hier an ist alles wie in einer Steinwüste. Ich fahre bis auf 1500 m Höhe. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es von dort an nicht mehr wirklich runter geht. Die gesamte Reise war ich auf einer Höhe von mindestens über 1000 m.

Südafrika ist skurril, es ist eine Mischung aus einem teils gut entwickelten und teils unterentwickeltem Land. Es gibt Flecken mit modernen Häusern und Geschäften, hundert Meter weiter stehen tausende von Blechhütten.

Es wird Nachmittag, die Luft immer kühler aufgrund der Höhe. Der Freilauf von meinem Rad streikt. Wenn ich aufhöre zu treten überschlägt sich die Kette sofort. Der Schlamm und Sand am Morgen sind anscheinend in das Hinterrad eingedrungen. Ein wirklich seltenes Problem, was ich so ganz ohne spezielles Werkzeug nicht lösen kann. Ich muss weiter, der Himmel färbt sich dunkel. Es soll Gewitter geben. Dann halt einfach nicht aufhören zu treten, dann tritt das Problem auch nicht auf.

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Erik Horsthemke Afrika Fahrrad Blog (1)

Diese Nacht im Zelt zu schlafen könnte gefährlich werden denke ich. Zumindest mit der Ausrüstung die ich bei habe. Für die Nacht sind -5 Grad gemeldet. Ich fahre in den nächsten Anstieg und suche währenddessen auf meinem Handy nach einer Unterkunft. Es fängt an zu regnen. Die Unterkunft, zu der ich möchte, ist noch 25km entfernet. Normalerweise brauche ich dafür etwas weniger als eine Stunde mit dem Gepäck. Es geht allerdings bergauf und ich komme mit Windböen von ca. 60 km/h kaum voran. Ich fahre unter 10km/h und brauche für den Weg bis zum Guesthouse fast drei Stunden. Als ich an der Tür klopfe, stelle ich mich mental darauf ein, dass keiner aufmachen wird und ich im Zelt schlafen muss.

Glück gehabt. Ein alter Mann, vielleicht 70 Jahre alt, öffnet die Tür. Ich bekomme ein kleines Häuschen, in dem ich schlafen kann, inklusive Kamin und heißer Dusche. Ich bin erleichtert.